Baugewerbe im Aufruhr

Förderstopp des Landes: „Das ist eine Katastrophe“

Steiermark
02.04.2025 08:00

Das Land Steiermark legte am Montag Subventionen für Häuslbauer und Sanierungen ohne Vorwarnung auf Eis. Installateure und Baugewerbe üben jetzt harsche Kritik.

Erst im September haben die neuen Förder-Schienen für Häuslbauer des Landes Steiermark gestartet. Sie kamen gut an – zu gut sogar, denn seit Montag, 12 Uhr, können keine Anträge mehr für den Jungfamilien-Bonus, die Eigenheimförderung, die kleine energetische Sanierung und den Heizungstausch eingereicht werden. Ab 30. April ist Schluss mit der umfassenden energetischen Sanierung und der großen Eigenheimsanierung. Im Herbst soll eine Neuauflage kommen, erklärte Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) am Montag.

„Der Überraschungsanschlag auf die Baubranche ist gelungen“, sagt Michael Stvarnik, Landesinnungsmeister und selbst Baumeister mit Firma in Fohnsdorf, dazu. „Es ist eine Riesen-Katastrophe. Die Baukonjunktur ist schlecht, der Wohnhausbau hat gerade erst langsam begonnen, sich zu erholen.“ Am schlimmsten trifft das Aussetzen der umfassenden energetischen Sanierung die Unternehmen. „Die wird oft für Mehrparteienhäuser in Anspruch genommen, was viele Arbeitsplätze sichert.“

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Mir geht es nicht um ein paar Euro mehr oder weniger, sondern um die Vollbremsung. Die Kunden und wir brauchen Planbarkeit.

Anton Berger, Innungsmeister Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker

Furcht vor „Stillstand“ bei Einfamilienhäusern
Aber auch im Bereich der Einfamilienhäuser erwartet Stvarnik „Stillstand“: „Selbst wenn die KIM-Verordnung (die 20 Prozent Eigenmittel für einen Kredit vorschreibt, Anm.) ausläuft, fehlt vielen Leuten das Eigenkapital.“

Anton Berger, Innungsmeister der Installateure, sieht schwere Zeiten auf die Firmen zukommen: „Das ist eine Vollbremsung, die mit niemandem abgesprochen war. Bei uns sind die Telefone heißgelaufen.“ Bis Mitte des Jahres würde man Aufträge abarbeiten. Dann erwartet er einen Einbruch. Man könne die Mitarbeiter nicht kündigen und dann wieder anstellen.

„Im Vergleich sind Immobilien leistbar“
Durch den Jungfamilien-Bonus mit bis zu 10.000 Euro und günstige Landesdarlehen konnten viele sich einen Kredit erst leisten. „Der Stopp dieser Förderungen ist für viele junge Familien eine spürbare Belastung“, beobachtet Raiffeisen-Vorstandsdirektor Rainer Stelzer.

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Die Schuldendienstquote stellt in der Praxis oft eine Hürde dar. Die monatliche Kreditrate darf 40 Prozent des Netto-Einkommens nicht überschreiten.

Rainer Stelzer, Vorstandsdirektor der Raiffeisen-Landesbank

„Dennoch zeigen aktuelle Zahlen, dass der Immobilienerwerb in der Steiermark im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin leistbar ist – vor allem außerhalb der Ballungsräume. Sinkende Zinsen und positive Einkommensentwicklungen schaffen Erleichterungen.“ Man rechnet nicht mit einem Einbruch, sondern mit einer „Stabilisierung auf niedrigem Niveau“.

Die steirische SPÖ schoss am Dienstag noch einmal Kritik nach. Max Lercher: „Bei mir haben sich Betroffene gemeldet, die in Sanierungen investiert haben und gestern Nachmittag die Rechnungen dafür einreichen wollten. Jetzt bleiben sie auf mehreren tausend Euro sitzen. So sieht keine vertrauensvolle Politik aus.“

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