Florian Pochlatkos abendfüllendes Spielfilmdebüt „How to Be Normal or the Oddness of the Other World“ eröffnete am Donnerstag die Diagonale in der Grazer Helmut-List-Halle.
Der Norm entsprechend, durchschnittlich, geistig gesund – das sind nur einige Definitionsversuche für den Begriff „normal“. Alles das ist Pia (Luisa-Céline Gaffron), die Protagonistin in Florian Pochlatkos erstem abendfüllenden Spielfilm „How to Be Normal or the Oddness of the Other World“ nicht. Sie ist vielmehr unangepasst, aufmüpfig, hat eine ganz eigene Wahrnehmung der Realität. Und da der 1986 in Graz geborene Regisseur seinen Film konsequent aus der Sicht Pias erzählt, kommt man als Zuschauer schnell selbst in die Situation sich zu fragen, was real ist und was nicht. Das ist beängstigend, mitunter aber auch ziemlich komisch.
Florian Pochlatko zeigt nicht nur Pias Welt in starken Farben, schnellen Schnitten und collageartigen Sequenzen, er zeigt auch die hilflosen Reaktionen ihrer engsten Umwelt, ihrer unterforderten Mutter Elfie (Elke Winkens), ihres nicht nur beruflich um den Status quo kämpfenden Vaters Klaus (Cornelius Obonya), ihres längst weitergezogenen Freundes (Felix Pöchhacker). Dass deren Welt längst nicht mehr „normal“ ist, wird immer deutlicher.
Richtig gut kommen auch Ärzte und Therapeuten nicht weg, die mehr und neue Medikamente verschreiben oder obskure Heilmethoden praktizieren. Einzig andere Psychiatriepatienten oder Kinder scheinen mit einer Welt abseits definierter Normen zurande zu kommen.
„How to Be Normal“ ist ein starker Film, der einen nicht unberührt lässt, mit einer erstklassigen Besetzung und hinreißenden Cameo-Auftritten etwa von Harald Krassnitzer. Und so komplex das Thema auch ist, die vielen Genrezitate und der feine Humor machen ihn wunderbar unterhaltsam.
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