31.07.2013 12:39 |

Flotte Rentnerin

"Paulette": Xenophobe Oma dealt mit Haschisch

Sie könnte auch Traudl heißen und als verarmte Pensionistin in einem Favoritner Gemeindebau wohnen. Sie heißt aber Paulette und lebt in einer heruntergekommenen Banlieu von Paris. Sie ist xenophob, beziehungsweise mag Menschen allgemein nicht, und ist altersarm. Doch die hantige 80-Jährige im neuen Film von Jerome Enrico ist eine Kämpferin. Und als ihr eines Tages aus Zufall eine Haschplatte in die Hände fällt, steigt sie in den Drogenhandel ein - mit Erfolg. Kinostart von "Paulette": 2. August.

Paulette (Bernadette Lafont) ist einsam, arm und frustriert seit dem Verlust ihres einstigen Restaurants und ihres Ehemanns Francis. Dass ihre Tochter (Axelle Laffont) mit dem charmanten schwarzen Polizisten Osman (Jean-Baptiste Anoumon) liiert ist, passt der Rassistin überhaupt nicht.

Als ihr dann auch noch der Fernseher gepfändet wird, kommt es der Rentnerin gerade recht, dass in ihrer Nachbarschaft fleißig gedealt wird. Sie überredet den örtlichen Drogenboss Vito (Paco Boublard), ihr auf Kommission eine Platte Haschisch zu überlassen, die sie mühevoll mit dem Hackbeil in der heimischen Küche zerlegt.

Die rüstige Dame findet schnell ihren Kundenkreis, aber der Erfolg bringt Probleme mit sich. Paulette wird von rivalisierenden Dealern überfallen, muss ihre gute Ware mit selbst geschmolzenen Autoreifen strecken.

Die Lösung naht, als sie sich auf ihre alte Fähigkeit des Backens besinnt. Das Geschäft mit Space Cookies und Hasch-Madeleines in der kleinen Sozialbauwohnung boomt, sodass Paulette sogar ihre einzigen Freundinnen zur Unterstützung anheuern muss.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film:
Eine politisch herrlich unkorrekte Sozialkomödie à la française, die die bleierne genretypische Schwere eines Ken Loach ausblendet und stattdessen auf Humor und trotzige Lebensgier setzt, ohne brisante Themen wie Altersarmut, Überfremdung in der Großstadt und Einsamkeit auszusparen. Wie sich die ehemalige Chabrol-Muse, die 84-jährige Bernadette Lafont, von der desillusionierten Grantlerin zur unkonventionellen Kämpfernatur und liebevollen Großmutter wandelt, ist einfach umwerfend - und ihr ganz persönliches Vermächtnis, verstarb doch die betagte Dame vor rund einer Woche. Wie werden wir wohl alle unsere Pensionen einmal aufbessern?

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