Gut wie alter Wein

Standing Ovations für Leonard Cohen in der Stadthalle

Musik
28.07.2013 07:47
Wer am Samstag in die Wiener Stadthalle gepilgert ist, um sich das Konzert von Pop-Poet Leonard Cohen anzuhören, der hatte es doppelt gut: Zum einen konnte er für ein paar Stunden der brütenden Hitze der Großstadt entfliehen, zum anderen erlebte er einen grandiosen Konzertabend – mit einer starken Band und einem Cohen in Höchstform, der zeigte, dass seine teilweise über 40 Jahre alten Lieder nichts von ihrem Zauber eingebüßt haben.
(Bild: kmm)

Fast muss man Cohens ehemaliger Managerin dankbar sein, dass sie den Sänger und Songschreiber um etliche Millionen geprellt hat, denn dieser Umstand zwang den heute 78-jährigen Kanadier (der Tourneen lange Zeit nicht gemocht hat), wieder live aufzutreten, um sein Konto aufzubessern. Am 11. Mai 2008 fand - nach 15-jähriger Bühnenabstinenz Cohens - das erste Konzert statt, seither haben über zwei Millionen Menschen seiner sonoren und noch immer großartigen Stimme live gelauscht.

Gleich zu Beginn Standing Ovations
Bereits bevor in der Stadthalle die ersten Takte gespielt wurden, gab es erste Standing Ovations für den in Montreal geborenen Kanadier. Und so versprach Cohen nach dem Opener "Dance Me To The End Of Love" denn auch, dass er und seine Mitstreiter "alles geben würden, was sie haben". Was folgte, war ein knapp dreistündiger, musikalischer Streifzug durch über vier Jahrzehnte Liedermacher-Geschichte, bei dem sich Cohen mit seiner tiefen, einzigartigen Stimme - begleitet von einer großartigen sechsköpfigen Band und drei Backgroundsängerinnen - durch praktisch alle seiner musikalischen Schaffensphasen brummte.

Klassiker wie "Bird On The Wire", "Who By Fire" oder "Lover Lover Lover" durften im ersten Teil des Konzerts ebenso wenig fehlen, wie neue Songs ("Darkness", "Amen" und "Come Healing") aus seinem im Vorjahr veröffentlichten Album "Old Ideas". Häufig mit geschlossenen Augen, teils vornübergebeugt und immer wieder auf der Bühne knieend holte Cohen trotz seines hohen Alters ein beachtlich breites Spektrum aus seiner Stimme heraus, während seine Band, deren Mitglieder er nicht nur einmal vorstellte, (bei insgesamt angenehm niedriger Grundlautstärke) einen perfekten und dezenten Soundteppich wob.

Nach einer knapp halbstündigen Pause startete Cohen den zweiten Teil des Sets mit sparsam arrangierten Versionen von "Tower Of Song", dem Hit "Suzanne", "Chelsea Hotel" und "Sisters Of Mercy", bei denen er selbst Gitarre spielte und sich nur dezent von Neil Larsen an den Keyboards und seinen Backgroundsängerinnen begleiten ließ. "The Partisan", "I'm Your Man" und "Hallelujah" durften natürlich ebenso wenig fehlen wie die Wien-Ode "Take This Waltz", bei der es Hunderte Fans nicht mehr auf den Sitzen hielt und sie zur Bühne stürmten. Und natürlich brandete Applaus auf, als Cohen die Zeile "There is a concert hall in Vienna" (gemeint ist das Konzerthaus) sang.

Acht Songs als Zugabe
Im acht Songs umfassenden Zugabenteil gab es neben Hits wie "So Long, Marianne", dem rockigen "First We Take Manhattan" und "Famous Blue Raincoat" mit "Going Home" auch einen weiteren Song seines aktuellen Albums "Old Ideas" zu hören. Bei "I Tried To Leave You", durfte jeder der Musiker, vor denen Cohen im Verlauf des Abends immer wieder seinen berühmten Fedora-Hut gezogen hat, noch einmal mit einem Solo sein Können zeigen.

Der Abend endete schließlich mit einer Coverversion des Doc Pomus/Mort Shuman-Hits "Save The Last Dance For Me" (Anfang der 1960er-Jahre ein Riesenhit der Drifters). Dann bedankte sich Cohen mit Hut vor der Brust bei seinen brillanten Mitstreitern und allen, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten, und entließ schließlich kurz vor 23 Uhr ein begeistertes und sichtlich zufriedenes Publikum in eine schwüle Tropennacht.

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