"Werwolf-Kommando"

Rechtsextreme Terrorzelle: Razzia in drei Ländern

Ausland
18.07.2013 10:43
Mit einer internationalen Razzia ist die Polizei in drei Ländern Europas gegen mutmaßliche Gründer eines rechtsextremen "Werwolf-Kommandos" vorgegangen. Ziel der rechtsextremistischen Vereinigung sei es gewesen, das "politische System der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen", sagte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Es bestehe der Verdacht, dass die Männer terroristische Gewalttaten verüben wollten. Festgenommen worden sei mangels dringenden Tatverdachts allerdings niemand.

Die deutsche Bundesanwaltschaft ließ am Mittwoch Wohnungen, Geschäftsräume und zwei Gefängniszellen von sechs Rechtsextremisten durchsuchen. Bei den Aktionen in Norddeutschland, der Schweiz und den Niederlanden stellten die Ermittler zahlreiche Unterlagen und Computer sicher.

Die Verdächtigen wollten offenbar dem Vorbild der sogenannten "Werwolf"-Kämpfer der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg nacheifern. Diese sollten hinter den feindlichen Linien einen Guerilla-Krieg führen. Konkrete Anschlagspläne seien allerdings nicht nachgewiesen worden, daher habe es keine Festnahmen gegeben.

Verschlüsselungsprogramm erschwerte Ermittlungen
Den Razzien in der Umgebung von der norddeutschen Stadt Hamburg, der Region Hannover, dem nordostdeutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, nahe der niederländischen Stadt Den Haag und der Schweiz waren monatelange verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. Sie gestalteten sich schwierig, weil die Verdächtigen bereits ein elektronisches Verschlüsselungsprogramm entwickelt hatten, "um konspirativ kommunizieren zu können", so die Bundesanwaltschaft.

"Spiegel Online": Schweizer als Drahtzieher
Nach Informationen von "Spiegel Online" sieht die Karlsruher Behörde zwei Schweizer Rechtsextremisten als Führungsfiguren: Robert S. (54) und Sebastien N. (25). Letzterer war im vergangenen Jahr nach knapp 48-stündiger Flucht in Hamburg festgenommen worden - kurz nachdem er im Mai 2012 in Zürich einen jungen Mann niedergeschossen haben soll. Er wurde später an die Schweizer Justiz ausgeliefert.

Wie "Spiegel Online" weiter berichtet, wurde am Mittwoch unter anderem die Gefängniszelle von Sebastien N. und die eines weiteren Gesinnungsgenossen (Roberto K.) durchsucht, ebenso die Wohnung von Robert S.. Die Hauptbeschuldigten werden demnach vor allem durch Zeugenaussagen belastet.

Führungsfigur als gewalttätig bekannt
Die deutsche Bundesanwaltschaft wollte den Bericht nicht kommentieren. Ein Züricher Staatsanwalt bestätigte hingegen Razzien in Zellen und Wohnungen. Sebastien N. sei bereits im Jänner 2012 wegen mehr als 40 Delikten - darunter schwere Gewaltverbrechen - zu 39 Monaten Haft verurteilt worden.

Warum der Mann letztes Jahr dennoch auf freiem Fuß war, ist unklar. Die niederländische Polizei sagte auf Anfrage, dass eine Wohnung in der Umgebung von Den Haag durchsucht worden sei.

Ermittler hoffen auf Beweise für Anschlagspläne
In Deutschland waren unter Leitung der Bundesanwaltschaft rund 50 Polizeibeamte des Bundeskriminalamts und der beteiligten Landeskriminalämter im Einsatz. Die Ermittler hoffen, dass sie im Zuge der Razzien Beweise für mögliche Anschlagspläne und Vorbereitungen gefunden haben. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führt das Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Hamburg.

Die historische Organisation "Werwolf" war im November 1944 von SS-Führer Heinrich Himmler ins Leben gerufen worden. "Entschlossene Männer und Frauen" sollten hinter den Linien des Feindes einen Guerillakrieg führen. Zahlreiche Morde an "Volksverrätern" gingen auf das Konto der "Werwölfe" und ähnlicher Organisationen. Auch eine unbekannte Zahl alliierter Soldaten starb durch ihre Hand.

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