Wie viele Kassenärzte fehlen in Wien tatsächlich? Gesundheitskasse und die Kammer der Mediziner jonglieren mit völlig unterschiedlichen Zahlen. Doch das bringt den Patienten nichts. Die Hintergründe.
Von Politikern ist das ja leidlich bekannt: Sie picken sich aus Studien jene Zahlen heraus, die ihnen in die Agenda passen. Alles andere wird weggelassen.
So ähnlich sind die Zahlen von Ärztekammer und Gesundheitskasse (ÖKG) zu werten, wenn es um die fehlenden Kassenärzte in Wien geht. Laut Kammer sind 54 Kassenstellen unbesetzt und weitere 143 Stellen noch nicht aktiv in der Versorgung tätig, weil etwa die entsprechenden Praxisräume fehlen. In Summe seien aktuell 197 Kassenstellen in Wien nicht versorgungswirksam, so die Interessensvertretung der Mediziner.
Die ÖGK sagt auf „Krone“-Anfrage etwas ganz anderes: Mit Ausnahme einer einzigen Kinderarztstelle seien sämtliche 1801 Planstellen besetzt.
Woher kommt die Abweichung? Erstaunlicherweise gehen die Erklärungen von ÖGK und Ärztekammer hier weitgehend konform: Eine Stelle auf dem Papier heißt noch nicht, dass Patienten versorgt werden.
Denn manche Ärzte müssen noch eine passende Ordination finden, die Gründung eines Primärversorgungszentrums dauert oft Monate. Geht ein Mediziner in Pension ist die Nachfolgesuche mitunter schwierig und kostet Zeit.
Inzwischen sitzen die Kranken in heillos überfüllten Wartezimmern.
In manchen Bereichen, wie Gynäkologie oder Kinderheilkunde, kann es vorkommen, dass neue Patienten abgewiesen werden. Grund: Zu voll – nichts geht mehr. Von den laut Ärztekammer 54 unbesetzen Kassenstellen würden etwa 35,5 auf Allgemeinmedizin, 4,5 auf Frauenheilkunde und 3 auf Kinder- und Jugendheilkunde entfallen.
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