03.06.2013 15:54 |

Flut breitet sich aus

Hochwasser-Tote nun auch in Bayern und Tschechien

Die Hochwasserlage in Mitteleuropa hat sich am Montag weiter verschärft. In Deutschland sind vor allem Bayern und Sachsen von Überschwemmungen betroffen, in mehreren Regionen gilt Katastrophenalarm. An einem Donaukraftwerk wurden am Sonntag und Montag zwei Tote geborgen. In Tschechien kamen bisher insgesamt fünf Menschen ums Leben. Auch die slowakische Hauptstadt Bratislava rüstet sich für die Wassermassen.

Die zwei Toten in Bayern konnten bisher noch nicht identifiziert werden. Die erste, männliche Leiche wurde am Sonntagabend beim Abtransport von Treibgut im Bereich des Donaukraftwerkes von Günzburg entdeckt. Am Montagnachmittag wurde im Rechen des Kraftwerkes dann eine weibliche Leiche gefunden. Laut Polizei soll die verunglückte Frau zwischen 40 und 50 Jahre alt gewesen sein. Die beiden Toten werden nun obduziert.

In den Stunden zuvor hatte sich die Lage im Süden Bayerns dramatisch zugespitzt. "Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer am Sonntagabend, nachdem er sich ein Bild von der Lage gemacht hatte. An zahlreichen Messständen werden neue Höchstmarken erwartet bzw. sind bereits Rekordmarken erreicht. In der Nacht auf Montag spitzte sich die Lage nach tagelangem Dauerregen vor allem in Nieder- und Oberbayern noch einmal zu.

Passau droht neues Jahrhunderthochwasser
Am Inn wurden nach Angaben des deutschen Hochwassernachrichtendienstes in der Nacht zum Montag vielfach historische Höchstmarken überschritten. In Passau, am Zusammenfluss von Donau und Inn an der Grenze zu Oberösterreich, stieg der Pegel am Vormittag auf 12,20 Meter und übertraf damit jenen der Flutkatastrophe von 1954. Die historische Altstadt und Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind großflächig überspült. Die Verbindungen in einige Stadtteile sind unterbrochen. Etwa 20 Boote halten die Versorgung der Menschen in vom Wasser eingeschlossenen Gebäuden aufrecht.

Katastrophenalarm in mehreren Städten und Regionen
Seit Beginn der angespannten Hochwasserlage am vergangenen Freitag sind nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann im gesamten Freistaat etwa 15.000 Helfer im Einsatz. Bis Sonntagabend wurde in zehn bayerischen Städten und Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst. Neben Passau ist Rosenheim die am meisten betroffene Stadt des Freistaats, die Straßen sind bis zu eineinhalb Meter hoch überflutet.

In Bayern, Baden-Württemberg sowie in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist Zugverkehr gestört. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind sowohl der Fern- wie auch der Regionalverkehr betroffen. Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt am Sonntag wegen des Hochwassers gestoppt. In Baden-Württemberg entspannte sich die Lage inzwischen. Hochwasserschwerpunkte waren hier das Neckargebiet und das Allgäu. Am oberen Neckar gehen die Wasserstände seit Sonntag zurück.

In Sachsen sind bereits zahlreiche Gebiete überschwemmt. Die Behörden meldeten unter anderem Hochwasser für Elbe, Schwarze und Weiße Elster sowie für die Spree. Vielerorts blieben am Montag Schulen geschlossen. Besonders kritisch ist die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde. Es wird befürchtet, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten.

VW-Werk in Zwickau lahmgelegt, Sorge um Dresden
Das VW-Werk in Zwickau stellte wegen des Hochwassers vorübergehend die Produktion ein. Die Frühschicht sei abgesagt worden, weil Mitarbeiter wegen der Fluten nicht zur Arbeit erscheinen hätten können und der Nachschub an Teilen unklar sei, sagte ein VW-Sprecher am Montagvormittag in Wolfsburg. Das Werk selbst sei nicht überflutet.

Befürchtet wird zudem, dass Teile von Dresden erneut in den Fluten der Elbe versinken. Für mehrere Stadtteile wurde am Montag Katastrophenalarm ausgelöst. Die Behörden rechneten am Montagvormittag mit einem Pegelstand von bis zu neun Metern - fast so viel wie bei der Jahrhundertflut im August 2002 (9,40 Meter). Wann der Scheitel der Flut die Hauptstadt von Sachsen erreicht, ist derzeit nicht absehbar. Hintergrund für die Lage an der Elbe sind die Niederschläge in Böhmen. Die Moldau in Prag hat derzeit eine Abflussmenge von 3.000 Kubikmeter pro Sekunde - normal sind 300.

Fünf Tote und Notstand in Tschechien
Auch in Tschechien spitzte sich die Hochwasserlage dramatisch zu. Die Zahl der Hochwasser-Toten stieg am Montag auf fünf, mindestens vier weitere Menschen gelten nach Polizeiangaben als vermisst, darunter zwei Männer, die auf einem Hochwasser führenden Fluss eine Rafting-Tour unternommen hatten.

Die Regierung hatte wegen steigender Pegelstände an den Flüssen des Landes am Sonntagabend den Notstand ausgerufen. Die Maßnahme gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas. Die Armee ist mit 2.000 Soldaten im Einsatz gegen die Fluten. Landesweit wurden Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht.

Besonders kritisch ist die Lage in der Hauptstadt Prag: Dort wurden mehrere U-Bahnstationen sowie die berühmte Karlsbrücke gesperrt, ein Krankenhaus sowie der Zoo wurden evakuiert. Kinder bekamen schulfrei. Die Scheitelwelle der Moldau erwarten die Behörden im Laufe des Montags. Dann sollen 3.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde unter der Touristenattraktion Karlsbrücke vorbeirauschen.

Erste Hochwasserstufe in Bratislava erreicht
In der slowakischen Hauptstadt Bratislava erreichte die Donau Montag früh die erste Hochwasserstufe. Vorsorglich wurden in einigen Teilen der Stadt bereits erste mobile Dämme errichtet, am Vormittag sperrte die Polizei erste niedriggelegene Uferteile und Straßen auf der rechten Donauseite.

In Devin bei Bratislava, wo die March ebenfalls die erste Hochwasserstufe erreicht hat, wurde der Alarmzustand ausgerufen. Einige Straßen und Radwege stehen bereits unter Wasser, auch hier wurden Schutzdämme aufgestellt. Slowakische Hydrologen befürchten, dass die Donau ihren Höchststand von 2002 überschreiten könnte. Die dritte und somit höchste Hochwasserstufe könnte der Strom am Dienstag oder Mittwoch erreichen.

Auch Südwesten Polens betroffen
Von Hochwasser ist auch der Südwesten Polens betroffen. Vor allem in Niederschlesien traten zahlreiche Oder-Zuflüsse und die Lausitzer Neisse über die Ufer. Mehrere Landstraßen sind unpassierbar.

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