03.04.2013 12:55 |

ZAMG bestätigt

Das ist der mieseste Frühling seit 69 Jahren

Nun ist es quasi amtlich: Das, was Ostösterreich derzeit mit dem Wetter durchmachen muss, geht auch statistisch gesehen auf keine Kuhhaut. Einen meteorologisch ähnlich ungemütlichen Frühlingsbeginn gab es zuletzt im Jahr 1944, auch wenn die Menschen damals wohl andere Sorgen hatten, als sich über das miese Wetter zu beklagen. Laut Prognose wird der 7. April der 17. Tag hintereinander sein, in dem die Temperaturen in Wien die Zehn-Grad-Marke verfehlen. Das wäre ein neuer Minusrekord.

"Auch wenn die Schneemengen nicht aufregend sind - für Wien ist dieses Ereignis schon recht außergewöhnlich", bilanzierte Alexander Orlik, Klimatologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, am Mittwoch. Denn in Verbindung mit den konstant tiefen Temperaturen ergibt das eine sehr ungastliche Mischung.

Extreme Abweichungen im Osten, Westen bevorteilt
"In Wien gab es seit dem 22. März keinen Tag, an dem es über zehn Grad gehabt hat. Und so wie es aussieht, werden wir am 7. April den 17. Tag haben, an dem das der Fall ist", so Orlik. 16 Tage unter zehn Grad nach Frühlingsbeginn, das gab es zuletzt 1944 und 1906. Noch eine Auffälligkeit: "In Wien haben wir aktuell eine Abweichung zum langjährigen Mittel von sieben Grad", errechnete Orlik. In Poysdorf (Niederösterreich) oder auch in Bad Gleichenberg (Steiermark) sind es sogar knapp acht Grad.

Zum Vergleich: In Innsbruck sind es lediglich drei Grad Abweichung. Überhaupt ist der Westen Österreichs etwas bevorteilt - weniger Schnee, weniger Kälte. Und trotzdem ist auch dort der Frühlingsbeginn 2013 deutlich zu kalt ausgefallen.

Langfristige Tendenz: Frühling kommt immer früher
Berücksichtigt man allerdings die langfristige Entwicklung, so lassen sich durchaus andere Tendenzen beobachten, wie auch ein Vortrag beim 14. Österreichischen Klimatag in Wien am Donnerstag belegen wird. Seit Mitte der 1980er-Jahre sei nämlich zu beobachten, dass der Frühling im Schnitt um etwa fünf Tage pro zehn Jahre früher kommt. Vor allem bei Ereignissen, die Ende April und Anfang Mai stattfinden, wie die Flieder- und Rosskastanienblüte, zeigt sich das Vorrücken des Frühlings sehr beständig, erklärt Elisabeth Koch, die Leiterin der Fachabteilung Klimatologie der ZAMG.

Das heurige Wetter sei eine Schwankung entgegen dem Trend: "Es ist in unserer Klimazone einfach so, dass die Jahr-für-Jahr-Schwankungen sehr groß sind", sagte sie. Deshalb müsse man sich sehr lange Zeiträume anschauen, um einen Trend feststellen zu können. Sie verweist auf Studien, die darauf hindeuten, dass die jeweiligen Wetterlagen beständiger werden. "Wir haben sehr lange Hitze- und Kälteperioden und sehr lange Trocken- und Niederschlagsperioden", betonte Koch.

Negativrekord an Sonnenstunden in Wien
Das derzeitige Wetter kann jedenfalls ordentlich auf die Stimmung schlagen: Mangelndes Sonnenlicht spielt eine tragende Rolle bei der saisonabhängigen Depression, was unter anderem daran liegt, dass die Lichteinstrahlung über die Augen den Serotonin-Haushalt im Gehirn beeinflusst. Im ersten Quartal diesen Jahres gab es dabei in Wien mit 206 Sonnenstunden sogar einen Negativrekord zu vermelden, wie ZAMG-Klimatologen Orlik festhielt. Damit lagen die Sonnenstunden 38 Prozent unter dem Mittelwert mit 332 Stunden.

Dunkle Tage waren von Jänner bis März vor allem im Nordosten Österreichs an der Tagesordnung. Besonders die ersten beiden Monate waren mit mehr als 50 Prozent unter dem Mittelwert kaum erhellend - erst der März näherte sich mit rund 15 Prozent unter dem Schnitt wieder der Norm. "Dunkles und trübes Wetter ist der Auslöser der saisonabhängigen Depression", erklärte die Psychoanalytikerin Rotraud Perner. Die drückende Stimmung bekommt man dabei eher zu spüren, wenn man urban ist, denn "Stadtmenschen haben es schlechter", sagte die Expertin unter Hinweis auf Schatten spendende Häuserschluchten. Bewohner der Bundeshauptstadt hatten es also doppelt schwer.

Nicht hilflos ausgeliefert: "Aktivität bringt Energie"
Doch ob in der Stadt oder am Land - hilflos ausgeliefert ist man den mental schwächenden meteorologischen Umständen nicht. "Aktivität bringt Energie, Inaktivität führt zu Trägheit", lautet Perners Schluss. Es gilt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Gefahr der Autosuggestion nicht zu unterschätzen. Denn sonst ist die Wetterlage recht nebensächlich, da dann die Winterdepression übergangslos in die Frühjahrsmüdigkeit führen würde. Stattdessen sollte man seine sozialen Kontakte pflegen oder neue aufbauen. Ein weiterer Tipp von Perner: schöpferisch tätig sein.

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