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Naturpark Ötztal in Tirol: Bartgeier-Tage in Sicht

Tierecke
10.10.2024 19:20
Porträt von Diana Zwickl
Porträt von Tierecke
Von Diana Zwickl und Tierecke

Sein Ruf als „Kinderfresser“ und seine imposante Größe wurde dem Bartgeier fast zum Verhängnis. Dank eines Naturschutzprogramms gleitet der größte Greifvogel Europas allmählich wieder an Felswänden entlang. Vom 12. bis 20. Oktober 2024 finden die „Internationalen Bartgeier-Beobachtungstage“ statt. Wie Sie dazu einen aktiven wissenschaftlichen Beitrag leisten können, erfahren Sie hier.

Ohne einen einzigen Flügelschlag lässt sich der Bartgeier von der Thermik tragen. Majestätisch gleitet er näher und näher an die Simmilaunhütte in 3019 Metern Höhe heran. Den Kopf mit dem markanten Schnabel und dem schwarzen Bart aus Federn hat er starr nach unten gereckt. Seine rubinrot umrandeten Augen suchen die Steilhänge nach Nahrung ab, die Flügelspannweite von fast drei Metern zeichnet einen riesigen Schatten auf die Felsen.

Dass ich als Autorin dieser Geschichte den größten Greifvogel Europas aus nächster Nähe um die Gipfel in den Ötztaler Alpen kreisen sehen durfte, ist einem Naturschutzprogramm zu verdanken. Denn ab dem Jahr 1913 galten Bartgeier in den Alpen vom Menschen offiziell als ausgerottet.

Als „Lämmergeier“ oder „Kinderfresser“ gefürchtet, hatte der Volksmund dem Giganten der Lüfte angedichtet, Vieh und Kinder davonzutragen und zu töten. In einigen Tälern hieß es einst: „Wenn ihr nicht brav seid, dann holt euch der Geier.“ Aus heutiger Sicht weiß man, dass der Bartgeier keinem Lebewesen Schaden zufügt. Stattdessen hat er sich auf etwas Besonderes spezialisiert: auf Knochen! Diese „Nahrung“ kann er durch seinen sauren Magensaft innerhalb von 24 Stunden vollständig verdauen.

In einigen Zoos werden Bartgeier auch mit Murmeltieren, Hühnern und Kaninchen gehalten, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie keine Jäger sind – nie haben Bartgeier eines der Kleintiere angegriffen.

Fliegende Hygiene-Polizei der Alpen
Den Namen „Knochenbrecher“ (in Tirol „Boanbrüchl“) trägt er teilweise zu Recht: Der geschickte Flieger lässt nämlich größere Skelette aus einer Höhe von 20 bis 150 Metern auf Steinplatten fallen, damit sie zerbrechen. Diese Steinplatten bzw. das felsige Gelände werden als Knochenschmiede (oder auch Bartgeierschmiede) bezeichnet. Geier allgemein haben als Aasfresser eine wichtige Funktion im Ökosystem. Sie fungieren praktisch wie eine Hygiene-Polizei, beseitigen die Überreste verendeter Tiere und verringern dadurch die Verbreitung von Krankheiten.

Elf Brutpaare in Österreich
1980 wurden Aufzuchtbemühungen gestartet, die schließlich zum Erfolg führten! Seit 1986 werden im europäischen Alpenraum junge Bartgeier ausgewildert – so etabliert sich die Vogelart langsam wieder in der Gebirgswelt von Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz. 2024 gibt es elf Brutpaare in Österreich, davon sieben in Tirol (drei erfolgreich bei der Fortpflanzung). Im gesamten Alpenraum wird die Population derzeit auf 300 bis 400 Tiere geschätzt.

Dem Bartgeier in Tirol auf der Spur

Etwaige Sichtungen können entweder an bartgeier@tirol.gv.at gemeldet oder auf der Website des Naturpark Ötztal direkt in ein Sichtungsformular hochgeladen werden. Die Meldung sollte nach Möglichkeit folgende Informationen enthalten:

  • Datum und Uhrzeit der Beobachtung
  • Dauer und Ort der Sichtung
  • Flugrichtung des Bartgeiers
  • Gefiederfärbung und mögliche Flügelmarkierungen
  • Fotos oder Videos zur Bestätigung der Sichtung

Sichtungen melden!
Von 12. bis 20. Oktober 2024 finden die „Internationalen Beobachtungstage“ statt, bei denen der aktuelle Bartgeier-Bestand grenzüberschreitend erhoben werden soll. Alle Naturfreunde, Jäger, Bergsteiger und Wanderer sind eingeladen in diesem Zeitraum nach den Tieren Ausschau zu halten und Beobachtungen zu melden. Schwerpunkt der Beobachtungstage: Samstag, 12. Oktober (Fokuszeit: 9 bis 15 Uhr, mindestens 10 bis 14 Uhr).

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