Mit einer klug zusammengestellten Personale kehrt Josef Dabernig nach zwanzig Jahren in den Grazer Kunstverein zurück. „Lacrimosa“ heißt die von Tom Engels kuratierte Ausstellung und würdigt damit Dabernigs jüngsten Film, dessen Requisiten auch den roten Faden durch die Schau bilden.
Vergänglichkeit, Tod und Trauer scheinen die tragenden Motive in Josef Dabernigs jüngstem Film „Lacrimosa“ zu sein, der gerade seine Österreich-Premiere im Grazer Kunstverein erfährt. Dazwischen schimmern ein bisschen Trotz und Rebellion durch. Und wie fast immer ist die Handlung ganz eng mit Josef Dabernigs Familiengeschichte verbunden.
Dieses Mal stellt er seine Tante Anni ins Zentrum, eine ehemalige Lehrerin und Organistin, streng religiös und mit festen Grundsätzen, die sie mit einer gewissen Unbarmherzigkeit durchzusetzen wusste. Gemeinsam mit den Enkeln des Künstlers spielt die Über-90-Jährige ein eigenwilliges Begräbnisspiel, in dem die Kinder einen kleinen Sarg durch die ländliche Villa der Tante tragen.
Strenges Schwarz-Weiß und feine Details
Erzählt wird die Geschichte in strengem Schwarz-Weiß, mit zahlreichen Detailaufnahmen, in denen sich unterschiedliche Ebenen finden lassen. Kleine verstohlene Gesten des Widerstands wechseln mit rituellen Handlungen, deren Bedeutung oft nicht mehr erkannt wird. Und über allem schwebt der Klang der Orgel, die sich Tante Anni ins Haus bauen hat lassen.
„Lacrimosa“ ist aber weit mehr als nur die Auseinandersetzung Dabernigs mit der eigenen Familie, er verhandelt darin fast spielerisch auch Grundfragen der Menschheit über Verlust und Wiederfinden. Dabei hilft der von seinem Freund, dem Autor Bruno Pellandini, verfasste poetische Text über dessen eigene Großeltern im Tessin, der von Pellandinis Ehefrau Johanna Orsini eingelesen wurde. Auch in dieser Überlagerung spielen wieder Freundes- und Familienbande eine große Rolle.
Blick auf frühere Filme
Um dieses zentrale Werk reihen sich filmische Arbeiten aus den vergangenen Jahren, die gemeinsam mit Versatzstücken aus Tante Annis Villa ein großes Ganzes im Schaffen Josef Dabernigs ergeben. Die Villa selbst ist übrigens mittlerweile in den Besitz des Künstlers übergegangen, denn Tante Anni ist fünf Tage nach Abschluss der Dreharbeiten verstorben.
Zu sehen ist „Lacrimosa“ als Kooperation mit dem steirischen herbst bis 17. November. Am 23. Oktober wird in diesem Rahmen um 20 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche ein Orgelkonzert mit Charlemagne Palestine aufgeführt.
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