Bolschoi-Drama

Säureattacke auf Filin: Startänzer als Auftraggeber

Ausland
06.03.2013 14:56
Fast sieben Wochen nach dem Anschlag auf den Ballettchef des Moskauer Bolschoi-Theaters hat der prominente Solotänzer Pavel Dmitritschenko (Bild) laut offiziellen Angaben gestanden, die Säureattacke auf Sergej Filin in Auftrag gegeben zu haben. Auch der mutmaßliche Angreifer und ein Helfer hätten ihre Schuld eingeräumt, teilte die Moskauer Polizei am Mittwoch mit. Die drei Männer waren am Dienstag festgenommen worden, ihnen drohen wegen schwerer Körperverletzung bis zu zwölf Jahre Haft.

"Ich habe dieses Verbrechen angeordnet", sagte Pavel Dmitritschenko in einem aufgezeichneten Polizeigeständnis, das am Mittwoch im russischen Fernsehen gezeigt wurde. Die Polizei bezeichnete Dmitritschenko als "mutmaßlichen Auftraggeber" und den 35-jährigen Juri Saruzki als "Angreifer". Der Helfer Andrej Lipatow habe Saruzki zum Tatort gefahren.

Dem Innenministerium zufolge wurde Saruzki am Dienstag in der Gegend von Moskau aufgegriffen. Es soll sich demnach um einen früheren Häftling handeln. Er ging der Polizei dank einer Überprüfung von Telefonverbindungen ins Netz, wie russische Medien berichteten. Wenig später klickten auch für den Chaffeur und den Startänzer der Truppe die Handschellen.

"Persönliche Feindschaft" als Motiv
Dmitritschenko, der zuletzt die Titelrolle in "Iwan der Schreckliche" tanzte, habe aus "persönlicher Feindschaft" gehandelt, teilte die Moskauer Polizei mit. Nähere Angaben machten die Behörden nicht. Russische Medien nannten als Motiv, dass der mächtige Filin Dmitritschenkos Lebensgefährtin Angelina Woronzowa deren Traumrolle in "Schwanensee" verwehrt habe.

"Wurde Filin wegen einer Frau mit Säure übergossen?", fragte die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" am Mittwoch. Woronzowa habe sich gegenüber ihrem Lehrer und Startänzer Nikolai Ziskaridse und ihrem Freund Dmitritschenko über die Ungerechtigkeit Filins beschwert. Auch die Zeitung "Moskowski Komsolomez" berichtete, Dmitritschenko sei erbost gewesen, weil Filin seine Freundin übergangen habe.

Ziskaridse steht in offenem Konflikt mit der Ballettdirektion und war von Filin indirekt für den Säureangriff verantwortlich gemacht worden. Er wurde wie viele andere Ensemblemitglieder verhört. Man ging von Anfang an davon aus, dass die Tat im Zusammenhang mit der einflussreichen beruflichen Tätigkeit Filins stehe. Der Ballettchef entscheidet etwa über die Besetzung der begehrten Solistenrollen. Die Theaterleitung hatte eingeräumt, dass es immer wieder zu Konflikten komme, weil die um Traumpartien kämpfenden Tänzer mitunter enttäuscht seien.

Größte Balletttruppe der Welt
Der Anschlag auf Filin - der derzeit in einer Augenklinik in Deutschland behandelt wird - hatte in der internationalen Tanzwelt große Bestürzung ausgelöst. Die Bolschoi-Balletttruppe ist mit etwa 220 Tänzern die größte der Welt. Sie gilt als Wiege klassischer russischer Ballettkunst mit makellosem Spitzentanz, streng synchronen Bewegungen und einzigartiger Körperbeherrschung. Der hausinterne Konkurrenzkampf am Bolschoi ist extrem hart.

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