Ein 42-jähriger Kroate belieferte das Nordburgenland über vier Jahre mit Stoff. Er will kein Geld kassiert, sondern nur süchtigen Bekannten gratis geholfen haben. Handydaten liefern andere Aufschlüsse. Der Strafrahmen beträgt 20 Jahre.
Arbeitslos und drogenabhängig – wie sich der Kroate, der im Nordburgenland wohnt, so ein Leben leisten kann? „Meine Eltern helfen mir. Und ich mähe den Rasen für die Nachbarn.“
Sechsmal einschlägig vorbestraft, saß der 42-Jährige auf der Anklagebank am Landesgericht Eisenstadt. „Glauben Sie mir, Frau Rat ...“ ist also relativ.
„Glauben Sie mir ...“
Laut Aussagen von Zeugen vor der Polizei und der Auswertung des Handys, soll der Mann 1536 Gramm Heroin gewinnbringend verschachert haben. „Stimmt alles nicht, glauben Sie mir ...“
Er habe den Haufen Gift zwischen 2020 und 2024 selbst konsumiert, und, ganz Samariter, einen Teil davon Bekannten gratis zur Verfügung gestellt, wenn die gerade in einer Notsituation gewesen seien.
Wer’s hat, der hat, tut man halt einmal öfter den Rasen mähen nebenan.
„Ruhe vom Landeskriminalamt“
Zwei dieser Bekannten mussten nun vor Gericht vorstellig werden, um auszusagen. Oder besser: Auszustammeln. Die Wortfetzen ließen den Schluss zu, dass sie irgendwie ihre Ruhe haben wollten. 30 Gramm Heroin und fünf Gramm Kokain habe einer laut Einvernahme bei der Polizei vom Angeklagten gekauft. „Ich wollte einfach Ruhe vom Landeskriminalamt haben“, sagte der Zeuge jetzt vor Gericht, der für 22 Monate eingebuchtet worden war. „Wenn ich es unterschrieben habe, wird etwas dran sein. Dann wird es so sein“, meinte er.
„Er hat darum gebettelt“
Replik des mutmaßlichen Dealers: „Ich überließ ihm einmal ein Gramm, einmal 1,5 Gramm. Er hat so darum gebettelt!“
Interessant auch, was die belastende Auswertung des Mobiltelefons betrifft: „Ich habe mein Handy entweder verborgt oder aber ich habe für andere den Dolmetscher gemacht. Also zwischen Bekannten aus der Suchtgiftszene und Dealern übersetzt“, so er Angeklagte. „Die konnten nicht immer alle Deutsch. Mit den Suchtgiftgeschäften selbst hatte ich nichts zu tun.“
Und die sichergestellten Fotos großer Drogenmengen? „Die habe ich über TikTok bekommen.“
Aus 1536 Gramm werden 322
Der Strafrahmen liegt bei 20 Jahren. Der Schöffensenat einigte sich auf drei Jahre Haft, weil nur die Übergabe von 322 statt 1536 Gramm Heroin schlüssig nachvollziehbar ist. Heißt: Bis 2027 hat der Kroate nun Zeit zu sinnieren, wie man ihm beim eventuell achten Vergehen eh nicht draufkommt.
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