Sie sind schlau, haben prächtiges Gefieder und sind oft im Besitz eines beachtlichen Wortschatzes. Doch die Haltung von exotischen Vögeln wie Kakadu, Papagei und Co. ist nicht einfach. Tierschutzminister Johannes Rauch hat Exemplare besucht, die in einer Auffangstation gelandet sind und traurige Vorgeschichten haben.
In der „ARGE Papageienschutz“ in Wien-Alsergrund leben rund 130 Vögel, die von ihren Besitzern traurigerweise abgegeben oder sogar ausgesetzt wurden, oder aufgrund schlechter Haltung beschlagnahmt wurden. Die Politik möchte diesen Umständen gegensteuern und wird künftig einen Sachkundenachweis vorschreiben, der bereits vor dem Erwerb dieser exotischen Tiere absolviert werden muss.
Dadurch sollen unüberlegte Spontankäufe möglichst unterbunden und sichergestellt werden, dass Interessenten auch wissen, worauf sie sich einlassen. Denn so ein „Paradiesvogel“ ist eine jahrzehntelange Verantwortung – diese Tiere können 40 bis 60 Jahre oder noch länger leben. Nicht nur einer der „Insassen“ in der Arge hat seinen Besitzer auch überlebt.
In Wohnung nichts verloren
Eindrucksvoll schildert Vereinsobfrau Nadja Ziegler die Geschichten der einzelnen Tiere, die leider oft das gleiche Schicksal geteilt haben. Zu kleine Käfige und ein Leben in Einsamkeit ohne Partner – kurzum: keine artgerechte Haltung. Ist sowas denn überhaupt in einem privaten Wohnzimmer möglich?
„Viele Tiere sind mit kahlen Stellen angekommen, weil sie sich vor lauter Stress die Federn selbst ausgerupft haben. Teilweise können sie dieses Verhalten nie wieder ablegen. In meinen Augen haben Großpapageien in privaten Wohnungen nichts verloren“, so der Minister während des Rundgangs.
Der geplante Sachkundenachweis ist wichtig, allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein im Kampf für mehr Tierwohl. Nadja Ziegler schätzt, dass rund 30.000 Papageien in Österreich leben, nicht alle sind ordnungsgemäß von ihrem Halter bei der Behörde gemeldet.
Teure Raritäten
„Es gibt einen Schwarzmarkt für diese Tiere, es geht hier um sehr viel Geld. Diese Tiere werden immer im Verborgenen leben – und auch leiden“, so Ziegler, die auch von Rekordsummen 150.000 Euro für besonders außergewöhnliche Exemplare weiß.
Wissen zahlt sich aus
Der Sachkundenachweis kann das Blatt dennoch zum Besseren wenden, denn Wissen zahlt sich immer aus. Es wird über die richtige Pflege, gesetzliche Haltungsbestimmungen oder auch den sicheren Umgang aufgeklärt. Wenn man sich vor der Anschaffung eines Tieres intensiv mit dessen Bedürfnissen auseinandersetzen muss, kann Leid bei den Tieren und Frustration bei den Tierhaltern bereits im Vorfeld verhindert werden.
Wer an Kakadus und Papageien Gefallen findet und sich mit den faszinierenden Tieren mehr beschäftigen möchte, kann auch einen anderen Weg gehen, als Vögel daheim in den Käfig zu sperren. Bei der „Arge Papageienschutz“ kann man sich im Rahmen einer Pflegepartnerschaft um eines der Tiere kümmern.
„Sie sind an den Menschen gewöhnt und brauchen diese Interaktion auch. Als ehrenamtlicher Pate kann man vorbeikommen und mit den Tieren arbeiten. Es gibt Beschäftigungs-Spiele, die beiden Seiten viel Freude bereiten“, weiß Vereinsvorstand Mario Vielgrader. Eine tolle Möglichkeit, um den Tieren nahezukommen und ihr artgerechtes Leben zu gewährleisten!
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