So, 16. Dezember 2018

Es gab kein Entrinnen

06.12.2012 09:28

"Bopha" fordert Hunderte Tote auf den Philippinen

Der verheerende Taifun "Bopha", der am Dienstag mit schweren Regenfällen und enormen Windböen über die südlichen Philippinen hereingebrochen war, hat bisher rund 500 Menschenleben gefordert, wie Regierungsvertreter am Donnerstag mitteilten. Hunderte Menschen werden noch immer vermisst. 179.000 haben ihr Obdach verloren und sind in Schulen und Turnhallen untergebracht worden.

Erst 36 Stunden nach dem Sturm wurde das Ausmaß der Verwüstung am Mittwoch deutlich. Am schlimmsten betroffen ist das Compostela-Tal 60 Kilometer Luftlinie landeinwärts von der Ostküste Mindanaos, wo der schwerste Sturm der Taifunsaison am Dienstag auf Land getroffen war. Mit Wirbelgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern in der Stunde wütete er auf dem Weg nach Norden, entwurzelte Bäume, riss Strommasten um und deckte Dächer ab. "Das Getöse - es war, als wollte der Wind uns lebendig verschlingen", sagte ein Mitarbeiter der Bürgermeisterin von Mati City der Zeitung "Inquirer".

Heftiger Dauerregen weichte Böden und Hänge auf. Baumstämme, Schutt und Trümmer blockierten vielerorts den Abfluss des Wassers. Wenn der Druck zu groß wurde, entluden sich Sturzfluten mit gewaltigem Druck, die alles mitrissen: Häuser, Autos, Bäume, Menschen.

Leichen wurden unter freiem Himmel aufgebahrt
"Das Wasser stürzte die Hänge herunter", sagte der Bürgermeister von New Bataan, Lorenzo Balbin, im Lokalradio. In dem Ort wurden allein 70 Leichen gefunden, 200 Menschen würden vermisst, sagte Militärsprecher Lyndon Paniza. So einen verheerenden Sturm habe es dort noch nie gegeben, sagte Lehrerin Floreliz Bantolinao der Zeitung. Die schockierten Einwohner mussten die Leichen unter freiem Himmel aufbahren. Vielen hingen die Kleider nur noch in Fetzen am Körper. Sie waren notdürftig mit Laken zugedeckt. "Wir müssen schnell Leichensäcke, Medizin, trockene Kleidung und vor allem Zelte in diese Gegenden bringen", forderte Sozialministerin Corazon Soliman.

Die drei Küstenorte Baganga, Cateel und Boston sind nach Angaben der Helfer vom Katastrophenschutz von der Außenwelt abgeschnitten. "Die drei Städte mit 150.000 Einwohnern sind isoliert, weil eine Brücke einstürzte", sagte Innenminister Manuel Roxas. Andere Straßen sind nach Angaben der Gouverneurin der Provinz Davao Oriental, Corazon Malanyaon, durch Bäume und Geröll versperrt. Im Zentrum von Cateel riss der Taifun die Dächer von fast 95 Prozent der Gebäude ab, darunter auch Krankenhäuser.

"Die Menschen flehen uns unter Tränen um Hilfe an"
Mit Baggern, Hacken und teils mit bloßen Händen versuchen Menschen, den Rettern eine Passage zu bahnen. Überall waren Soldaten im Einsatz. Die Küstenwache und die Marine setzten Boote ein, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Dazu gehörten neben Nahrung und Kleidung auch Leichensäcke. "Die Menschen flehen uns unter Tränen um Hilfe an", sagte der Chef der Behörde für Katastrophenschutz, Benito Ramos. "Sie haben drei Grundbedürfnisse: Essen, Kleidung und Unterkunft."

Laut dem philippinischen Innenministerium kam während der Rettungsarbeiten auch ein Soldat ums Leben, sechs weitere Kameraden werden vermisst.

"Es fühlte sich nicht so an, als sei ein Taifun im Anmarsch"
Die Behörden hatten sich eigentlich am Montag auf das Schlimmste vorbereitet: Tausende Küstenbewohner waren in Sicherheit gebracht worden, die Schulen wurden geschlossen und die Menschen zur Wachsamkeit aufgerufen. "Aber es fühlte sich nicht so an, als sei ein Taifun im Anmarsch", meinte der Mitarbeiter der Bürgermeisterin in dem Zeitungsinterview. "Erst, als der Wind um 3 Uhr morgens anfing, hat keiner mehr gewagt, etwas zu sagen. Solche Geräusche haben wir noch nie erlebt."

Mindanao war erst vor einem Jahr Schauplatz verheerender Verwüstungen durch Tropensturm "Washi". Die Zerstörungen lagen auf der anderen Seite der Insel. Betroffen waren vor allem die Städte Cagayan de Oro und Iligan City. 1.200 Menschen kamen dort Mitte Dezember ums Leben.

100 Todesopfer im August
Über die Philippinen fegen im Durchschnitt rund 20 Wirbelstürme pro Jahr, "Bopha" ist in diesem Jahr der 16. Im August hatten mehrere Stürme Überschwemmungen verursacht, durch die knapp 100 Menschen ums Leben kamen. Mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

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