Zu Unrecht verurteilt?

„Habe das Vertrauen in die Justiz nicht verloren“

Gericht
21.06.2024 06:00

2011 wurde ein HIV-Kranker zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein neues Gutachten soll jetzt zeigen, er könnte zu Unrecht eingesessen sein. Der 48-Jährige will nun mithilfe der neuen Beweise eine Neudurchführung seines Prozesses erwirken, denn: „Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker.“

„Schuldig im Sinne der Anklage“ – hieß es am 4. November 2011. Stefan T. (Name geändert) musste seine dreijährige Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen absitzen – das könnte nun aber zu Unrecht passiert sein.

Das Landesgericht Wien verurteilte ihn vor knapp 13 Jahren, weil er mit zwei Männern im Wissen um seine HIV-Erkrankung ungeschützten Sex gehabt, diese dadurch angesteckt habe. Ein Gutachten der Uniklinik Köln und ein Gerichtsmediziner kamen zu dem Schluss, dass die Viren-Cluster sehr ähnlich sind. Dem Gericht reichte das für eine Gefängnisstrafe.

Gutachten ebnet Weg für Neudurchführung
Der 48-Jährige beharrt aber weiter auf seiner Unschuld, möchte diese auch jetzt noch beweisen. Zusammen mit seinem Anwalt Markus Abwerzger (Tiroler FPÖ-Chef) holte er deswegen ein virologisches Sachverständigengutachten ein – welches in dem Verfahren nie gemacht wurde. Diese neue Einschätzung sagt nicht nur, dass das letzte Gutachten unzureichend sei, sondern: „Es kann nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass die drei analysierten HIV-Stämme genetisch ausreichend ähnlich sind, um eine direkte Übertragung zwischen den drei Personen zu bestätigen.“ – Genau das braucht es aber für die Verurteilung.

Zitat Icon

Für mich ist das Urteil nach wie vor ein Schock. Ich habe trotzdem das Vertrauen in die Justiz nicht verloren.

Stefan T. (48) im „Krone“-Gespräch

Stefan T. und sein Anwalt sehen deswegen einer Wiederaufnahme positiv entgegen: „Das kommt nicht oft vor, aber in diesem Fall rechnen wir uns hohe Chancen aus“, so Abwerzger. Auch sein Mandant zeigt sich hoffnungsvoll. Es ginge ihm dabei aber nicht um Haftentschädigung oder ähnliches. „Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker. Mir geht es darum, rehabilitiert zu werden, und ums Prinzip“, sagt der 48-Jährige gegenüber der „Krone“. Die Verurteilung zehre noch immer an ihm und seiner Familie – „Sowas wird man nie vergessen können.“

Jetzt heißt es abwarten ...

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