Seelenverwandtschaft, pure Emotion oder gar eine Geschichtsverfälschung: Was ist es, dass Blau-Weiß Linz heuer den sensationellen Meistertitel von SK VÖEST aus dem Jahr von 1974 feiern lässt?
Versuchen Sie das einem Außenstehenden einmal plausibel zu erklären: Ein Fußball-Werkssportklub wird 1974 österreichischer Meister, geht 17 Jahre später in einem Nachfolgeverein über, der 1997 im Vereinsregister selbst auf Nimmerwiedersehen gelöscht wird. Doch ein im selben Jahr aus einem anderen Werkssportklub hervorgegangener Verein feiert nun das 50-jährige Titeljubiläum des einstigen Werkssportklubs mit einem Legendenabend und Spielen im 74er-Trikot
Eine (Nicht-)Beziehung?
Es ist eine (Nicht?-)Beziehungen, die nur nachvollziehen kann, wer die Geschichte der offenbar unauslöschlichen blau-weißen Linzer Fußball-Farben kennt. Zu denen aber selbst der frühere VÖEST-Torjäger und spätere Ex-FC-Linz-Manager Fritz Ulmer anmerkt: „Meine Klubs gibt es nicht mehr – und zwischen denen und dem FC Blau-Weiß gibt es keine Verbindung!“
Dagegen erachtet Geschäftsführer Christoph Peschek den heutigen Bundesligisten als „emotionaler Nachfolger“ des SK VÖEST. Während Meisterkapitän Ferdinand Milanovich von einer „Art Seelenverwandtschaft“ spricht und andere mit nachvollziehbaren Argumenten sogar von „Geschichtsverfälschung“.
So führt die Bundesliga in ihrer „ewigen Tabelle“ den FC Blau-Weiß mit 32 Spielen auf Platz 37. Der bei der durchaus als vertrauenswürdig bekannten Plattform „weltfussball.com“ jedoch auf Platz 10 geführt wird.
32 Spiele, 620 oder 738?
Mit 620 Bundesliga-Partien, weil in denen auch die Erstliga-Spiele des FC Linz inkludiert sind. Und laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia sind es sogar 738, da diese Statistik auch alle Nationalliga-Partien des SK VÖEST von 1969 bis 1974 beinhaltet.
Damit auch jene 30 aus dem unvergessenen Meisterjahr. Das der FC Blau-Weiß nun „aus Respekt und Wertschätzung vor diesem großartigen Erfolg“ (Peschek) hochleben lässt. Der aber eigentlich auch dem einstigen Landesligisten SV Austria Tabak und dessen kleineren Erfolgen gedenken müsste. Schließlich ist der heutige Bundesligist 1997 aus dem hervorgegangen.
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