Ein gebürtiger Tunesier, der mit unbekannten Hintermännern internationale Firmen um Millionenbeträge erleichtert haben soll, stand am Mittwoch erneut in Graz vor Gericht. Der „Fake-Präsident“ musste bereits fünf Jahre in U-Haft verbringen. Nun soll ein Urteil fallen.
Bereits im Oktober 2022 wurde ein gebürtiger Tunesier, der in Israel lebte, wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs, Geldwäscherei und krimineller Vereinigung zu neun Jahren Haft verurteilt, Schaden: Fast 60 Millionen Euro. Das Verfahren musste jedoch wiederholt werden. Fünf Jahre saß der Angeklagte in U-Haft, im Frühjahr kam er gegen Gelöbnis frei. Am Mittwoch ging es ins Finale.
„Meine Frau schickt Taschengeld“
„Was tun Sie jetzt eigentlich den lieben langen Tag?“, fragte Richterin Barbara Schwarz den Mann nach seiner langen Zeit im Gefängnis. „Ich betreibe Talmud-Studien in einem Talmud-Zentrum“, erklärte er. Zur Erklärung: Der Talmud ist eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. „Und wovon leben Sie?“, wollte die Vorsitzende wissen. „Meine Frau schickt mir 1000 Euro Taschengeld und zahlt meine Miete“, so der Angeklagte.
Der echte Chef wusste von nichts
Ihm wird vorgeworfen, mit dem sogenannten „CEO-Fraud“ allein den oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC um über 52 Millionen Euro betrogen zu haben. Auch zwei steirische Firmen sind unter den Opfern. Wie das funktionierte? Der Finanzverantwortliche der Firma bekam eine E-Mail, die anscheinend vom Chef (CEO) persönlich stammt und in dem auf eine schnelle Überweisung gedrängt wird. Wenn das Geld überwiesen ist, wird es umgehend auf Hunderte andere Konten transferiert. Der echte Chef weiß von nichts. Das Geld ist weg.
„Keinen Cent bekommen“
Der Verteidiger des 65-Jährigen betonte, dass sein Mandant von den Millionenbeträgen keinen Cent bekommen hat. „Diejenigen, die Geld eingesteckt haben, sitzen nicht hier.“ – „Ja, ein ganz anderer sollte hier sitzen“, schimpfte auch der Angeklagte. „Aber Sie sollten schon auch hier sitzen, oder“, wirft die Richterin ein. „Ja, ja“, zuckte der Tunesier mit den Schultern. „So ist das in vielen Prozessen“, so die Richterin.
Urteil: Sieben Jahre Haft, nicht rechtskräftig .
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