Schwere Gebäude & Co.

Unter Chinas Städten sackt der Boden ab

Ausland
19.04.2024 11:23

Unter vielen chinesischen Städten sinkt stetig der Boden ab. Forscher warnen nun, dass in den Millionenmetropolen an der Küste des Landes damit das Risiko für Überschwemmungen steigt. In den nächsten hundert Jahren könnte gar ein Viertel der Flächen unter Meeresspiegelniveau sinken.

Die Bodenabsenkungen könnten langfristig vor allem in den dicht besiedelten Küstenregionen Folgen haben, warnen Forscher gegenüber dem Fachmagazin „Science“. Für große Bevölkerungsgruppen bedeute das ein erhebliches Überschwemmungsrisiko. Hinzu kämen direkte Schäden an Gebäuden und Fundamenten, Infrastruktur und Kanalisation.

Auch die Megacity Peking ist von Absenkung stark betroffen. Von Shanghai ist bekannt, dass sich Gebiete der Stadt im vergangenen Jahrhundert bis zu drei Meter absenkten. Das Forschungsteam um Zurui Ao von der South China Normal University in Foshan wertete nun Satellitenmessungen von 82 chinesischen Großstädten mit 74 Prozent der Stadtbevölkerung des Landes zwischen 2015 und 2022 aus. Von Absenkungen um mehr als drei Millimeter ist demnach rund ein Drittel (29 Prozent) der Bevölkerung dieser Städte betroffen. Stand 2020 lebten den Forschenden zufolge insgesamt 920 Millionen Menschen in den städtischen Gebieten Chinas – davon geschätzt etwa 270 Millionen auf sinkendem Boden.

Auch Shanghai könnte massiv überschwemmt werden. (Bild: gui yong nian - stock.adobe.com)
Auch Shanghai könnte massiv überschwemmt werden.

Gebäude haben ordentliches Gewicht
Das Absinken des Bodens wird mit einer Reihe von Faktoren in Verbindung gebracht, darunter die Entnahme von Grundwasser und das Gewicht von Gebäuden. China habe in den vergangenen Jahrzehnten eine der schnellsten und umfangreichsten Stadterweiterungen in der Geschichte der Menschheit erlebt, hieß es von den Forschenden. Schon jetzt würden in Großstädten zunehmend Fälle von Bodensenkungen gemeldet. Setzungsbedingte Katastrophen hätten in China in den vergangenen Jahrzehnten bereits hunderte Tote und Verletzte jährlich sowie immense wirtschaftliche Schäden verursacht.

„Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Schutzmaßnahmen zu verstärken und die Grundwasserentnahme streng zu kontrollieren“, heißt es in der Studie. Langfristige Kontrollen und ein nachhaltigeres Wassermanagement, wie es in den japanischen Städten Tokio und Osaka bereits erfolgreich praktiziert werde, könnten auch in China dazu beitragen, die Absenkungsrate zu stabilisieren.

Bodenabsenkung oft vom Menschen verursacht
Bodenabsenkung ist ein Phänomen, das nicht nur in China, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt erhebliche Probleme verursacht. Sie wird häufig durch menschliche Aktivitäten wie die Übernutzung von Grundwasser, intensive Bebauung oder Öl- und Gasförderung verursacht. Aber auch natürliche geologische Faktoren spielen eine Rolle. Städte wie Venedig in Italien und Mexiko-Stadt in Mexiko sind beispielsweise für ihre Probleme mit Bodenabsenkungen bekannt.

In einigen Gegenden der Welt gibt es gegenläufige Prozesse – etwa durch eine noch immer anhaltende Hebung vom Gewicht des Eisschilds der letzten Eiszeit befreiter Landflächen.

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