Ein Kolumne von Claus Pándi, Chefredakteur der „Salzburg-Krone“.
In Wien ist es ja so, dass es zum guten Ton gehört, alles an Wien schlecht zu finden. Zumindest öffentlich. Wenn Wiener ausnahmsweise einmal etwas doch gut finden, und das kommt außerordentlich selten vor, hat man sich das im Flüsterton nur im kleinsten Kreis zu erzählen.
In Salzburg, also in der Stadt Salzburg, läuft es genau umgekehrt. Da hat man ausnahmslos alles gut zu finden. Jedenfalls in der Öffentlichkeit. In Salzburg findet der Landeshauptmann sogar, dass mit dem Wohnungsmarkt alles gut sei. Als Beweis dient ihm, dass er keine Obdachlosen sieht. Der Landeshauptmann muss ein glücklicher Mensch sein.
Wenn man in der Stadt Salzburg aber einmal doch etwas entdeckt, das vielleicht nicht ganz so perfekt ist, kann man das vielleicht in einer Runde von Freunden erzählen. Am besten ist es aber, man behält jede Kritik für sich. Mit Kritik, selbst mit wohlgesinnter Kritik, gerät man sofort in den Verdacht des Landesverrats.
Und so gesehen geriet ich am Donnerstag nach Einbruch der Dunkelheit in einem schönen Haus nahe Leopoldskron in eine gefährliche Runde. Da hatte nämlich der von Karl-Markus Gauß als ein ziemlicher Sturschädel bezeichnete Architekt Robert Wimmer mit seinen Kollegen Thomas Forsthuber und François Valentiny eine Runde eingeladen, um über die Lage der Architektur in Salzburg zu reden. Das Urteil ist bitter. Von fünf Jahren Stillstand ist die Rede. Von einer neuen Gesichtslosigkeit, dass man in einigen Stadtteilen in Salzburg nicht mehr wisse, ob man sich in Attnang-Puchheim oder in Linz befände, dass Bäume oft hemmungslos niedergerodet würden, dass die Verwaltung statt der Politik herrschen würde, dass man nicht wisse, wo man fortgehen solle. Am Ende lande man an der Tankstelle irgendwo an der Landstraße, um dort eine Bosna zu essen.
Robert Wimmer ist Optimist, kein Nörgler. Er hat einen nüchternen Blick – und beschreibt, was er sieht. Und er hofft, dass nach dem anstehenden politischen Wechsel wieder an der Stadt gearbeitet werden könne.
Hoffen wir mit ihm.
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