"Vatileaks"-Affäre

Kammerdiener bittet Papst in Brief um Verzeihung

Ausland
24.07.2012 11:15
Der in der Enthüllungsaffäre "Vatileaks" verhaftete Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele (im Bild vorne links), hat Benedikt XVI. um Verzeihung gebeten. Er ließ dem Papst einen Brief übermitteln, in dem er seinen Schmerz für die Weitergabe vertraulicher Dokumente ausdrückt, wie die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" berichtete.

Der Brief wurde Gabrieles Rechtsanwalt Carlo Fusco zufolge einer Kommission unter der Führung des spanischen Kardinals Julian Herranz Casado übergeben, die in der Enthüllungsaffäre ermittelt, die seit Wochen den Vatikan erschüttert. In dem Schreiben gab der 46-jährige Kammerdiener seine Fehler zu und versicherte, ohne Hilfe von Komplizen gehandelt zu haben, hieß es am Dienstag.

Gabriele sei niemals beschuldigt worden, mit anderen Personen gehandelt zu haben, betonte auch sein Verteidiger. "Gabriele ist der einzige Angeklagte in diesem Fall", so Fusco. Im Laufe dieser Woche sollten die vatikanischen Behörden über die Eröffnung eines Prozesses gegen den 46-Jährigen entscheiden, der sich seit Samstag unter Hausarrest befindet (siehe Infobox).

Weitere Vertraute im Visier
Der Vatikan hatte zuvor seine "tiefe Missbilligung" mehrerer Medienberichte zum Ausdruck gebracht, die Vertraute von Papst Benedikt XVI. - seine Sekretärin Ingrid Stampa und zwei Kardinäle - mit dem Enthüllungsskandal in Verbindung gebracht hatten. In einer am Montag auf Radio Vatikan verbreiteten Erklärung dementierte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, die drei hätten in der "Vatileaks"-Affäre etwas mit der Weitergabe heikler Dokumente an die Öffentlichkeit zu tun.

Lombardi erklärte, dass eine Befragung durch die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission noch niemanden zum Verdächtigen mache. Die drei Personen seien auch nicht "von ihren Aufgaben entbunden" worden, wie es in den Medienberichten geheißen hatte. Auch die Sekretärin des Papstes, Stampa, wehrte sich in einer Erklärung gegen die "schwerwiegenden Verdächtigungen einer Mittäterschaft vonseiten einiger Vertrauter des Papstes".

Geheimdokumente publik gemacht
In den vergangenen Monaten waren mehrere teils brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt - etwa zu einem angeblichen Mordkomplott gegen Benedikt oder über das umstrittene Finanzgebaren der Vatikanbank. Gabriele, der die Dokumente entwendet haben soll, kann laut Medienberichten mit einem milden Urteil rechnen.

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