„Krone“-Kolumnist Robert Schneider hat sich bereits in zwei Texten dem Leben und Wirken des legendären Hochstaplers Victor Lustig gewidmet. Nun folgt das „Grande Finale“.
In Zeiten von Insolvenzanträgen biblischen Ausmaßes wünscht sich wohl der Eine oder Andere eine Gelddruckmaschine, um das dringend benötigte Kapital quasi über Nacht zu beschaffen. Insolvenz bedeutet noch lange nicht, dass man pleite ist. Aber frisches Geld muss her, und zwar subito. Womit wir wieder bei unserem lieben alten Freund Victor Lustig sind, der 1890 in Böhmen das Licht der Welt erblickte und später die Welt so hinters Licht führte, dass er zum berühmtesten Hochstapler des 20. Jahrhunderts avancierte.
Nachdem der charmante wie redegewandte „Graf“ Lustig in Paris sein Unwesen getrieben und in Chicago Al Capone übers Ohr gehauen hatte, stand ihm Größeres im Sinn. Gemeinsam mit einem Apotheker namens William Watts stellte er Druckstöcke zur Fälschung von Banknoten her. Die Sache lief vorzüglich, bis im Jahr 1934 der Secret Service eine Task Force einsetzte, die die Herkunft der gefälschten Dollarscheine untersuchen sollte. Der „Graf“ wurde verhaftet, zog fast noch einmal den Kopf aus der Schlinge, wäre in seiner Westentasche nicht ein Schlüssel gefunden worden, der zu einem Schließfach am Times Square passte, wo dann just 51.000 Dollar-Blüten und dummerweise auch die Druckstöcke gefunden wurden.
Es kam zum Prozess. Lustig wäre aber nicht Lustig gewesen, hätte er der gierigen Gesellschaft nicht noch einmal die lange Nase gezeigt. 24 Stunden vor seinem Prozess gelang ihm nämlich die Flucht, indem er ein Seil aus seinem Bettlaken knotete. Drei Wochen später ging er der Polizei endgültig ins Netz. Er bekam 15 Jahre Haft in Alcatraz aufgebrummt. Am 9. März 1947 erkrankte er an einer Lungenentzündung, soll jedoch friedlich und mit sich im Reinen entschlafen sein. Der Totenschein gab folgende Berufsbezeichnung an: „Verkäuferlehrling“.
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