Di, 21. August 2018

"Deckung" für Ruiss

23.05.2012 11:07

Ex-Schiri Brugger legt nach: "Waren lauter feige Hunde"

Nächster Akt in der unrühmlichen Posse um Schiri-Rebell Harald Ruiss: Nachdem der ÖFB ihn als Reaktion auf seinen öffentlichen Brief vom Dienst freistellte, erhält Ruiss nun Rückendeckung von Ex-Schiedsrichter Bernhard Brugger. Der ehemalige FIFA-Referee bestätigt gegenüber krone.at die Aussagen Ruiss' "zu 95 Prozent" und konstatiert: "Wir aktiven Schiris waren damals lauter feige Hunde. Keiner wagte aufzubegehren."

Imagepolitur verpasst Brugger mit seiner verbalen Breitseite der ohnehin lädierten Reputation von ÖFB-Schiri-Boss Johann Hantschk und dessen Adlatus Fritz Stuchlik definitiv keine. Die fragwürdige Suspendierung Ruiss' (siehe Infobox) treibt auch Brugger die Zornesröte ins Gesicht. "Ich halte diese Reaktion für ein Armutszeugnis. Daran erkennt man, dass die Herren nicht gewillt sind, Selbstkritik zu üben oder auf die Vorwürfe überhaupt einzugehen. Es ist einfach lächerlich, dem Herrn Ruiss jetzt ein Disziplinarverfahren anzuhängen. Könnten die kritisierten Herren die Vorwürfe entkräften, würden sie es auch tun. Aber offenbar können sie das nicht", poltert er im Talk mit krone.at.

"Wir waren lauter Hosenscheißer"
In dem Gespräch gewährt er auch ungeahnte Einblicke in das österreichische Schiedsrichter-System: "Wir aktiven Schiedsrichter waren damals alle nicht glücklich mit dem System. Aber wir waren lauter Hosenscheißer, lauter feige Hunde, die nicht wagten aufzubegehren." Aus einem einfachen Grund: "Hätte jemand den Mund aufgemacht, wäre seine Schiri-Karriere beendet gewesen", so der 45-Jährige, der im vergangenen Sommer seine Karriere beendete.

"Stuchlik hätte ehrlich zu sich selbst sein müssen"
Konkret etwa hätten "alle, die im Schiri-Wesen aktiv waren", gewusst, dass Schiri-Manager Stuchlik, so wie es auch Ruiss in seinem Brief schilderte, bei den Lauftests stets an den Sprintlimits gescheitert sei. "Dazu hätte man gar keine Stoppuhr gebraucht - es war augenscheinlich, dass Stuchlik die Limits nicht schaffte", führt Brugger unverblümt aus. "Das wäre an sich nicht weiter schlimm, jeder Mensch hat gewisse Schwächen. Aber Stuchlik hätte sich dann selbst eingestehen müssen, dass er FIFA-Spiele eben nicht leiten darf. Immerhin war er bei anderen Sachen auch sehr genau und hat etwa Schiedsrichtern wegen jedem Schmarrn um eine Stellungnahme gebeten. Bei sich selbst war er dann aber plötzlich nicht mehr so genau."

Hantschk für Brugger zu alt
Wenngleich Brugger sowohl zu Stuchlik als auch zu Boss Hantschk ein "ganz normales, professionelles" Verhältnis pflegte - Hantschk repräsentiert für Brugger den fleischgewordenen Systemfehler: "Dass er in seinem Alter (72 Jahre, Anm.) noch der Chef der Schiris ist, ist für mich schon ein Wahnsinn. Für meine Begriffe sollte man diese Funktion bis höchstens 65 ausüben dürfen."

Über die von Ruiss aufs Tapet gebrachten eigenwilligen Methoden Hantschks, Referess zu benoten, äußert sich Brugger dagegen diplomatisch: "Ich bin von ihm immer fair benotet worden, da gab's nie ein Problem."

Nur einmal entfleucht Brugger im Gespräch mit krone.at ein (Verlegenheits-)Lächeln. Ob er glaube, mit seiner öffentlichen Kritik am System etwas ändern zu können? "Ich bin ein positiv denkender Mensch. Aber wenn ich sehe, wie die Kommission auf den Brief von Harald Ruiss reagiert, dann mache ich mir da keine allzu großen Hoffnungen."

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