Wiener Canisibus

Eine heiße Suppe als Anker in kalten Nächten

Ombudsfrau
14.01.2024 06:00
Porträt von Ombudsfrau
Von Ombudsfrau

Täglich fahren Freiwillige durch Wien und verteilen an mehreren Standorten kostenlos warmes Essen an Menschen, die es brauchen. Die Gäste werden immer jünger.

Seinen Namen hat das Projekt der Caritas der Erzdiözese Wien von Petrus Canisius, einem Jesuiten und Seelsorger des 16. Jahrhunderts. Jeden Tag fahren zwei Essensbusse und ein E-Bike mit Anhänger ihre Runden. An vier Stationen werden bis zu 200 Liter Suppe und rund 40 Kilogramm Brot und Gebäck verteilt. Nicht nur der Bedarf an warmen Mahlzeiten hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Auch die Gesichter sind andere geworden.

„Weiß nicht, was ich zuerst zahlen soll“
2007 waren nur rund sieben Prozent der „Bus-Gäste“ Pensionisten und Senioren, heute sind es etwa 22 Prozent. Die Anzahl jener, die arbeiten gehen, sich aber trotzdem um warmes Essen anstellen müssen, ist von ein auf neun Prozent deutlich gestiegen. Die interne Statistik des Canisibusses zeigt aber auch, dass immer mehr junge Menschen unter 30 Jahren das Hilfsangebot in Anspruch nehmen! Ein 42-Jähriger kommt seit Monaten fast täglich zur Essensausgabe. Er hat Long Covid und ist auf der Suche nach Arbeit. Warum er sich Suppe holt? „Weil ich nicht weiß, was ich zuerst zahlen soll. Die Stromkosten sind so hoch, das kann sich keiner mehr leisten.“ Oder eine junge Frau, die seit kurzem auf der Straße lebt. Wo sie in dieser bitterkalten Nacht schlafen wird, weiß sie noch nicht.

Allein in Wien sind von 12.000 obdachlosen Menschen 4000 unter 30 Jahre alt! Das ist nur die offizielle Zahl, die geschätzte Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. Keine Ausbildung, keine Arbeit, keine Perspektiven, und oft auch fehlendes Wissen, sich im Leben zurechtzufinden und zu orientieren. Ein Teller warme Suppe ist für ihre Situation keine Lösung - aber ein erster Anknüpfungspunkt, ein Anker.

Verlässliche Hilfe
Die Essensbusse bedeuten auch Offenheit den Menschen gegenüber, die am Rand der Gesellschaft stehen. Sie bedeuten Begegnung: Die freiwilligen Teams sind für die Gäste da und gehen wertschätzend auf sie zu! Und sie bedeuten Sicherheit: Die Fahrzeuge stehen jeden Tag zur selben Zeit an denselben Plätzen. Die Gäste können sich darauf verlassen. Das ist viel, in einer Welt, in so vieles unsicher geworden ist.

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