Droht nächster Streik?

Verhandlungen auch bei Handels-KV unterbrochen

Wirtschaft
16.11.2023 15:37

Nach nur vier Stunden haben die Sozialpartner ihre Verhandlungen über einen neuen Gehaltsabschluss für über 430.000 Handelsangestellte abgebrochen und auf den 28. November vertagt. Arbeitgeber-Vertreter und Handelsobmann Rainer Trefelik beklagte, „dass die Gewerkschaft heute absolut nicht bereit war, ernsthaft über unser Angebot zu diskutieren“. Stattdessen habe sie ihre Forderung „sogar noch erhöht“, so Trefelik im Anschluss an die Gesprächsrunde.

Die Gewerkschaft habe die Arbeitgeberseite „mit einer Gegenforderung konfrontiert, die in der wichtigsten Gehaltsgruppe einer Steigerung um bis zu 11,55 Prozent entspricht. (...) Auf dieser Basis können keine Verhandlungen in einem konstruktiven, sozialpartnerschaftlichen Stil stattfinden“, erklärte Trefelik am Donnerstag in einer Aussendung.

Der Kampf um einen guten KV-Abschluss für beide Seiten im Handel geht weiter. (Bild: Halfpoint - stock.adobe.com)
Der Kampf um einen guten KV-Abschluss für beide Seiten im Handel geht weiter.

Kammer legte erstmals Angebot vor
Die Wirtschaftskammer hat ihr Angebot erst in der am Donnerstag stattgefundenen dritten Runde vorgelegt. Sie boten unabhängig von der Gehaltsstufe ab 2024 ein Plus von fünf Prozent an und zusätzlich eine Einmalzahlung von 800 Euro. Die „Teuerungsprämie“ sei abgabenfrei, wodurch die Beschäftigten mehr Nettoeinkommen bekommen würden. Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach einem Gehaltsplus von elf Prozent in den Ring gestiegen und lehnte Einmalzahlungen im Vorfeld stets ab.

Laut Berechnungen der Händler entspricht das Angebot beim Einstiegsgehalt einem Plus von 11,13 Prozent. In höheren Gehaltskategorien (2500 bis 3000 Euro Bruttogehalt pro Monat) würde das Plus ab nächstem Jahr 8,79 Prozent bzw. 8,16 Prozent betragen.

Sorge um Kaufkraft der Angestellten
Während die Preise im Schnitt seit 2016 um 30,7 Prozent erhöht wurden, seien die Löhne durchschnittlich nur um 24,7 Prozent gestiegen, im Handel um 22,6 Prozent, so Jakob Sturn, Ökonom am Momentum Institut. „Damit den Beschäftigten ihr verfügbares Einkommen aufgrund der gestiegenen Preise nicht wegschmilzt, empfiehlt das Momentum Institut, die Löhne zumindest um die rollierende Inflation zu anzupassen. Für einen Kaufkraftzuwachs braucht es Abschlüsse über der Teuerungsrate“, heißt es vom gewerkschaftsnahen Institut.

Handelsverband: „Mehr ist nicht drin“
„Mehr ist nicht drinnen. (...) Wir hoffen, dass auch die Gewerkschaft die akute Gefahr für die Beschäftigung im Handel erkennt und verantwortungsvoll handelt“, kommentierte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will das Angebot der Arbeitgeber. Weitere Kampfmaßnahmen hätten einen Lose-lose-Effekt, da durch weitere Beeinträchtigung der Betriebe hin zum Weihnachtsgeschäft Umsätze abnehmen würden und unweigerlich in negativen Arbeitsplatzeffekten resultierten.

Viele Handelsfirmen bewegten sich kostenseitig längst an der Klippe, so Will. Der Handelsverband vertritt als privater Interessenverband rund 4000 Mitglieder aus dem Handel, sitzt aber nicht am Verhandlungstisch.

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