Neue EP „Bitter“

Popkünstlerin Tina geht tabulos in die Offensive

Musik
19.10.2023 14:00

Mit dem Googeln wirds bei Tina künftig schwierig, im besten Fall setzt sich die Wahl-Wienerin aus dem steirischen St. Stefan mit ihren Songs aber so durch, dass sie in den Suchlisten möglichst weit oben landet. Auf ihrer EP „Bitter“ stellt sie weibliche Lust und Selbstermächtigung ins Zentrum.

kmm

Sie quetscht gerne Blutorangen vor ihrem nackten Schoß aus, schleckt lasziv übers Eis oder lässt Wein von ihren Lippen tropfen - von Schüchternheit ist bei Tina keine Spur. Die gebürtige Steirerin Christina Sommer veröffentlichte vor rund einem Jahr die Single „Rosmarin“, in der sie mit falschen Treueschwüren eines künstlerischen Ex-Freundes abschloss. Die Mischung aus Alpen-Pop, Dialektgesang und Vintage-Video begeisterte die steigende Fanschar. Quasi aus dem Nichts hievte sich Tina zu mehr als 33.000 YouTube-Klicks.

Weibliche Lust
In ihren kunstvoll arrangierten und rasant geschnittenen Videos steht die in Wien wohnhafte Sängerin offen zur weiblichen Lust und propagiert die Freuden der Sexualität, ohne dabei auf die ernsten und weniger süßen Seiten des Lebens zu vergessen. Auf ihrer brandneuen EP „Bitter“ versammelt sie nun alle fünf Singles, mit denen Tina bislang aufwarten konnte. Das humoristische „Lavaboy“ ist ein pumpender Pop-Song, der gute Laune versprüht. „Vino Forever“ erinnert in seinem Sound gar etwas zu stark an Billie Eilish und setzt die Protagonistin als Femme Fatale in Szene.

Ernster wird es im Titeltrack, wo Tina eine Lanze für Depressionen und von Depressionen Betroffene bricht, indem sie die ernste Thematik mit viel Elektronik vermischt. „Tabak“ ist eine bittersüße Abrechnung mit einer toxischen Beziehung. So wie Rauchwaren sind auch Lebenspartner manchmal furchtbar, machen aber zugleich süchtig. Die Ambivalenz dieses ewigen Hin und Hers wird in Noten gegossen. Das psychedelische „Belize“ ist ein düsterer Ohrwurm über Befreiung, Entfesselung und Selbstfindung. So unterschiedlich die Songs auch klingen, durch den markanten Dialekt in Tinas Gesang gibt es einen roten Faden, der die unterschiedlichen Nummern zusammenhält.

Neue Musikblume
Auf „Bitter“ versucht Tina dem Austropop eine neue, zeitgemäße Note zu verschaffen, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder sich lyrisch selbst auszubremsen. Das abseits der EP aufgenommene STS-Cover „Gö, du bleibst heut Nacht bei mir“ im bluesigen Janis-Joplin-Stil kann man als mediokres Experiment verbuchen, mit den hier vorliegenden Eigenkompositionen erwächst aber eine popmusikalische Blume, die in ihrem breiten Eklektizismus und der grenzenlosen Herangehensweise im großen Musikgarten Österreichs noch gefehlt hat. Selbstermächtigung und Emanzipation ohne Scheu und Tabus. Ein interessanter Ansatz.

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