Mi, 15. August 2018

Die "Krone" am Set

24.12.2011 14:54

Besuch beim Dreh zu "Last Stand": Arnie is back!

Hollywood hat ihn wieder! Arnold Schwarzenegger kehrt mit "Last Stand" als knorriger Sheriff nach acht Jahren wieder in einer Hauptrolle auf die Leinwand zurück. Die "Krone" war als erste Zeitung bei den Dreharbeiten im bitterkalten New Mexico dabei.

Hollywood macht es möglich: Der Ex-Gouverneur wird zum Sheriff! "Arnold for president" stand auf dem Banner, das man, gut sichtbar, an eine Wand im Zentrum von Belen geklebt hatte. Jetzt ist es weg. Die Filmleute, die aus Hollywood in das 7.000-Einwohner-Kaff im Süden des Bundesstaates New Mexico gekommen sind, haben es entfernen lassen. Wenn es bei den Außenaufnahmen irgendwie ins Bild gerutscht wäre, hätte es peinlich werden können. Denn der von den Belenern auf dem Spruchband Angesprochene ist tatsächlich da. Arnold Schwarzenegger erlebt hier, in der kahlen und Mitte Dezember ungewöhnlich grimmig kalten Prärie, die einst Heimat der Genizaro-Indianer war, sein Hollywood-Comeback.

Und er tut's mit sichtbarer Freude. Seit dem Drehbeginn von "Last Stand" erlebt das 120-köpfige Filmteam bei der täglichen Arbeit, dass er die Schauspielerei während der Zeit als kalifornischer Gouverneur keineswegs verlernt hat. Der Produzent des Neuzeit-Westerns, Lorenzo di Bonaventura, ist überzeugt, "dass man in diesem Film einen Arnold erleben wird, der mit schauspielerischen Fähigkeiten besticht. Die Rolle, die er verkörpert, ist die eines harten, zugleich aber sensiblen Mannes – da geht's nicht nur um knallharte Action, sondern auch um das Transportieren von Gefühlen. Er ist im Film ein verletzter und verletzlicher Held – und das bringt er beim Dreh großartig rüber".

Arnie über familiäre Probleme: "Das war schon eine Packung"
"Dieses Lob freut mich", sagt der Steirer. "Ich war ja acht Jahre lang total weg vom Film. Während der Zeit als kalifornischer Gouverneur habe ich keine Sekunde lang an den Schauspieler Schwarzenegger gedacht. Keine Zeit – da gab's ja so viel zu tun. Heuer, zu Jahresbeginn, war's mit der Politik aus, und alles war plötzlich anders. Dazu sind meine familiären Probleme gekommen. Das war damals schon eine Packung, die mich an den Rand eines persönlichen schwarzen Loches gedrängt hat. Wer mich kennt, weiß, dass ich nur dann voll funktioniere, wenn ich mir große Ziele setze und meine ganze Energie einsetzen kann, um sie auch erreichen zu können."

Der Film sei vor dem Weg in die Politik sein Lebensinhalt und stets mit Spaß, zugleich aber auch mit Herausforderung verbunden gewesen. "In dieser Zeit ist er durch die vielen Drehbücher, die man mir angeboten hat, plötzlich wieder zu einer realen Option geworden. Natürlich bin ich heute nicht mehr der muskelbepackte Action-Hero, ich hab' mir andere Rollen aussuchen müssen", so der Ex-"Gouvernator".

"Das kann ich, der Fleisch-und-Blut-Cop, nicht"
Mit dem Skript zu "Last Stand" hat er eine erste gefunden. "Ich spiele darin einen ehemaligen Star-Cop aus Los Angeles, der von der Stadt die Nase voll hat und seine Karriere in einem verschlafenen Nest gemütlich ausklingen lassen will. Dann bricht aber dort plötzlich die Hölle los, weil ein mächtiger mexikanischer Drogen-Capo in Las Vegas aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und ausgerechnet in Sommerton Junction – meiner Stadt – mit seiner skrupellosen privaten Armee über die Grenze will. Im Normalfall hätten sich die Provinz-Hansln um mich herum einfach umgedreht und die Bösen ignoriert, bis sie weg sein würden. Aber das kann ich, der Sheriff, der Gerechtigkeitsfanatiker und Fleisch-und-Blut-Cop, nicht. Am Ende stelle ich mich mit vier Helfern der Übermacht und ziehe die Sache durch."

Es ist grimmig kalt im nur 400 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernten Belen. 20 Zentimeter Schnee sind Anfang Dezember gefallen, und der tägliche Frost, der das Thermometer auf bis zu 15 Minusgrade drückt, verhindert das Schmelzen. Man zieht daher alle noch ausständigen Innenaufnahmen vor. Die Crew wickelt sich alles verfügbare Wollene um die Köpfe. Heiße Getränke sind nicht nur für die Mägen, sondern auch für die klammen Finger gefragt.

Schauspielerei als Zitterpartie
Film ist eben Illusion. "Last Stand" spielt in der warmen Jahreszeit. Bei minus 15 Grad ist es schwer, dies vor der Kamera vorzutäuschen. Die Schauspielerei wird dabei oft zur unsichtbaren Zitterpartie. Und weil jeder Drehtag Unmengen von Geld verschlingt, wird beinhart weitergedreht. Arnold, der Profi, tut's geduldig und mit einem Lächeln. "Hier kann ich das ausleben, worauf ich mich vorher einen Monat lang vorbereitet habe. Mein Dialog-Coach Walter von Huene ist täglich zu mir gekommen, und wir haben in meinem Haus meine Sprechtexte immer wieder durchgemacht. Alle, die bei mir beschäftigt sind, und Freunde, die ich dazu eingeladen habe, haben dabei Rollen übernommen. Der Text muss einfach sitzen, bevor die erste Klappe fällt. Dazu habe ich meine Trainingseinheiten intensiviert und täglich mindestens eine Stunde lang in der Kraftkammer geschwitzt." Das tut er während der Dreharbeiten auch in seiner Suite im mondänen Hyatt Regency in der nahen Großstadt Albuquerque, die er als "Basislager" benutzt. An den Wochenenden wird heimgeflogen.

Zwischen seinem letzten großen Filmerfolg, "Terminator III", und dem jetzigen Comeback liegen fast acht Jahre. Am Set von "Last Stand" begegnet man aber trotzdem vertrauten Gesichtern. Greg Hall, der seit Ewigkeiten für Arnolds Kleidung zuständig ist, ist ebenso da wie Super-Stuntman Billy Lucas, der ihm – täuschend ähnlich zurechtgemacht – die schwere Arbeit (Faustkämpfe oder das Schleppen einer Leiche) abnimmt.

Und da ist sein steirischer Freund aus Kindberg, Dieter Rauter, ehemaliger österreichischer Junior-Bodybuilding-Champ. Der schuftet bei "Last Stand" gleich in vier Rollen. Sein "Arnold-Körper" ermöglicht es ihm, als "Stand-In" aufzutreten. In dieser Rolle muss er, im exakten Outfit des Stars gekleidet, diesen bei allen Kamera- oder Lichteinstellungen vor dem Dreh ersetzen. Rolle Nummer zwei: der Stuntman Dieter Rauter. Dabei geht es um gewagte Autofahrten mit dem Steirer am Steuer. Rolle Nummer drei: Rauter, der Schauspieler. In "Last Stand" gehört er zur Crew des bösen Drogen-Capos Cortez und ballert mit grimmigem Blick (keine Sprechrolle) drauflos. Schließlich sieht man ihn am Set auch pausenlos als Kameramann, weil er für die Dokumentation des Drehs ("Behind the Scenes") verantwortlich ist.

Nächster Film schon in den Startlöchern
"Last Stand" ist großteils abgedreht. Der Film kommt wahrscheinlich im Jänner 2013 in unsere Kinos. Schwarzenegger kehrt aber schon zuvor nach Belen zurück, im April 2012. Für den Film "Black Sunday", einen Action-Streifen, in dem er als Unsterblicher gegen das Böse kämpfen wird. "Ich bin da eine Art Engel", sagt er, "mehr kann ich zurzeit über diesen Film nicht sagen." Was er sagen kann, ist, dass es danach noch keine weiteren Rollen gibt, für die er sich verpflichtet hat.

"Mein Lebensweg ist anders geworden. Bisher gab's für mich immer nur ein Ziel, das ich mit aller Konsequenz verfolgt habe. Bodybuilder – Schauspieler – Gouverneur. Basta. Jetzt drehe ich, arbeite an meiner ersten Biografie, reise als Redner zu großen Veranstaltungen in allen Teilen der Welt und präsentiere dort meine Umweltschutz-Ideen. Das Politische in mir lässt mich eben nicht los. Ich verbreite eine wichtige Botschaft, und man hört auf mich, weil man mich überall kennt. Mit der Rückkehr auf die Leinwand steigert sich meine Medienpräsenz erneut, und ich kann die Film-Promotion mit der Verbreitung der Umwelt-Botschaften verbinden. Wie sagt man daheim? Zwei Fliegen mit einem Schlag!"

Arnold Schwarzenegger hat nach der Gouverneurszeit seinen Weg in die Zukunft gefunden. Der Film spielt dabei auch eine, aber wahrscheinlich wohl nicht die Hauptrolle. Jetzt macht er's aber, und jetzt hat er Spaß daran. Das spüren alle, die mit ihm in Belen am Set zusammenarbeiten. So viel zu tun – und trotzdem hat er immer einen Platz, der seiner österreichischen Heimat gehört. Den Hirschegger Lodenjanker, speziell fürs Motorradfahren geschneidert und als Weihnachtsgeschenk aus der Steiermark überreicht, probiert er mit leuchtenden Augen an. Er wird ihn bald auch im Sattel seiner Harley tragen. "Da werden meine Freunde in Los Angeles Augen machen!" Wenn er Zeit hat, sagt er, kommt er Ende Jänner zu Infobox findest du den Link zu einem virtuellen Rundgang durch das Arnold-Schwarzenegger-Museum in Thal!

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