19.11.2011 15:30 |

Flucht zu Ende

Gadafi-Sohn Saif al-Islam in Libyen festgenommen

Der seit Monaten gesuchte Sohn des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar el Gadafi, Saif al-Islam, ist nach Angaben der Übergangsregierung in Libyen festgenommen worden. Der designierte Justizminister Mohammed al-Allagui sagte am Samstag, der 39-Jährige sei im Süden des Landes gestellt worden. Der Gadafi-Sohn wird vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen des Vorwurfs der Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Allagui zufolge soll ihm aber in Libyen der Prozess gemacht werden.

Laut dem Übergangs-Ministerpräsidenten Abdul Raheem al-Keeb sei Saif al-Islam in der Stadt Obari gefasst worden. Er sei in Begleitung von drei Helfern gewesen, die ebenfalls festgenommen wurden, berichtete auch das libysche Fernsehen, das den Gadafi-Sohn kurz nach seiner Festnahme zeigte. In dem mit einem Mobiltelefon aufgenommenen Film ist zu sehen, wie der 39-Jährige in Decken gehüllt auf einer Couch liegt. Seine rechte Hand ist bandagiert (Bild re.). Laut unbestätigten Meldungen sollen ihm die Kämpfer des Nationalen Übergangsrates die Finger abgeschnitten haben, mit denen er ihnen während seiner zahlreichen Brandreden stets gedroht hatte.

Tuareg-Schal, Brille und Vollbart
Nach seiner Verhaftung wurde Saif al-Islam von Obari in die Stadt Zintan gebracht. Bei seiner Ankunft versuchte eine aufgebrachte Menge, das Flugzeug zu stürmen, berichtete ein Augenzeuge dem Sender Free Libya TV. Diesem zufolge hätte der Festgenommene einen Tuareg-Schal, eine Brille und einen Vollbart getragen. Er scheine an der Hand verletzt worden zu sein.

In Tripolis wurde die Festnahme frenetisch gefeiert. Auf den Straßen seien Jubel, Auto-Hupen und Freudenschüsse zu hören, berichtete CNN. Eine Pressekonferenz des Übergangsrates, auf der die Verhaftung verkündet wurde, endete laut einem Bericht von Al-Jazeera mit dem Ausruf "Gott ist groß".

Im Oktober war aus Kreisen der libyschen Übergangsregierung verlautet, Saif al-Islam befinde sich an der Grenze zu Niger und Algerien und wolle mithilfe eines gefälschten Passes das Land verlassen. Die Region sei schwierig zu überwachen. Zuletzt hatte es vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag geheißen, man verhandle mit dem Diktatoren-Sohn darüber, sich freiwillig zu stellen.

Kronprinz mit Österreich-Connection
Saif al-Islam war seit der Einnahme von Muammar al-Gadafis letztem Zufluchtsort Sirte durch die Rebellen auf der Flucht gewesen. Zuvor hatte es immer wieder Berichte gegeben, er sei getötet oder festgenommen worden.

Saif al-Islam galt als Nachfolger seines Vaters. Er hatte wie sein Vater enge Verbindungen zu Österreich, auch als enger Freund des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider. Nach einem Studium der Architektur und Wirtschaftswissenschaften in Tripolis, Wien und London gründete er 1999 die formal unabhängige Gadafi- Stiftung für Entwicklung (ausführliches Porträt in der Infobox).

Während des Bürgerkrieges in seinem Land trat Saif al-Islam öffentlich vor allem mit radikalen Durchhalteparolen in Erscheinung. Wegen des Vorwurfs der Verbrechen gegen die Menschlichkeit stellte der Internationale Strafgerichtshof Ende Juni einen Haftbefehl gegen ihn aus. Dieser richtet sich auch gegen den ehemaligen Chef des libyschen Geheimdienstes, Abdullah al-Senussi, der nach Mali geflohen sein soll.

Prozess soll in Libyen stattfinden
Ob Saif al-Islam von den libyschen Behörden nun ausgeliefert wird, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Von Vertretern der libyschen Rebellen hatte es wiederholt geheißen, Gadafis Sohn solle wegen Kriegsverbrechen im eigenen Land vor Gericht gestellt werden.

Auch der designierte Justizminister Allagui kündigte am Samstag laut BBC und Al-Jazeera an, dass Saif al-Islam ein faires Verfahren in Libyen erwartet. Dieses soll mit dem Internationalen Strafgericht in Den Haag koordiniert werden. "Uns stört es nicht, internationale Beobachter bei dem Prozess dabei zu haben", sagte Allagui. Übergangs-Ministerpräsident Keeb sagte: "Wir versichern den Libyern und der Welt, dass Saif al-Islam ein faires Verfahren im Rahmen eines fairen Rechtsprozesses bekommt - was unserem eigenen Volk in den letzten 40 Jahren vorenthalten wurde."

Saif war der letzte der sieben Söhne Gadafis, dessen genauer Verbleib unklar war. Zwei Söhne flohen nach Algerien, einer ist in Niger. Zwei weitere Söhne starben während der Kämpfe zwischen Anhängern Gadafis und Soldaten der Übergangsregierung.

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