Eine Ära endet

Merediths Abschied bei „Grey‘s Anatomy“

Society International
01.06.2023 16:26

Ellen Pompeo (53) sagt der beliebten Arztserie nach 20 Jahren in der Hauptrolle jetzt „Adieu“ - die Abschieds-Folge „Ich folge der Sonne“ läuft am 5. Juni im ORF.

Manche kennen Meredith Grey schon ihr halbes Leben lang. Und egal, wie es im eigenen Leben gerade stand, mit ziemlicher Sicherheit war die Lage im Krankenhaus der Serie „Grey‘s Anatomy“ noch schlimmer. Nun steht die Arztserie vor einem neuen Kapitel. Schauspielerin Ellen Pompeo tritt bei dem Projekt kürzer und ihre Figur Meredith Grey verabschiedet sich vom Krankenhaus in Seattle.

„Mach's gut, Meredith“
Die Ärztin entscheidet sich, mit ihrer Familie nach Boston zu ziehen und dort an der Erforschung von Alzheimer zu arbeiten. Die Folge „Ich folge der Sonne“ ist am 5. Juni um 22 Uhr in ORF 1 zu sehen und soll ab diesem Tag auch beim Streamingdienst Disney+ laufen.

Vor der Kamera ist ihre Arbeit nun getan, mit der Crew stößt sie auf ihre letzte Folge an! (Bild: www.viennareport.at)
Vor der Kamera ist ihre Arbeit nun getan, mit der Crew stößt sie auf ihre letzte Folge an!

Meredith Grey wird allerdings - so viel weiß man schon - auch in einer späteren Folge noch einmal auftauchen. Und als Erzähl-Stimme bleibt sie ebenfalls an Bord. Dennoch verschiebt sich etwas in der Welt der Klinikserie. Bisher war Pompeo das Gesicht von „Grey‘s Anatomy“.

Seit 2005 hat sich ihre Figur vor einem Millionenpublikum von der jungen Assistenzärztin zur gefeierten Chirurgin hochgearbeitet. „Ich bin unendlich dankbar und demütig für die Liebe und Unterstützung, die ihr mir, Meredith Grey und der Serie für 19 Staffeln entgegengebracht habt“, schrieb Pompeo im November auf Instagram. Sie werde auf jeden Fall wiederkommen für einen Besuch. Und dann bedankte sie sich bei den Fans, mit „viel Liebe und großer Dankbarkeit“.

Charaktere kommen und gehen
In der Krankenhausserie sind im Laufe der Jahre viele Charaktere weggegangen oder gestorben. Schauspieler Patrick Dempsey zum Beispiel - er spielte Derek „McDreamy“ Shepherd, den Partner von Meredith. Die Liste der Figuren, die ausgeschieden sind, ist jedenfalls lang. Und je länger Serien laufen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der eine oder andere Charakter wegfällt. Was macht das mit dem Publikum?

„Ich glaube, das macht tatsächlich immer etwas mit Leuten“, sagt Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Schlütz. Sie ist Professorin an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, eines ihrer Forschungsthemen sind fiktionale TV-Serien.

Ein Motiv, sich lang laufenden Sendungen zuzuwenden und dabei zu bleiben, seien parasoziale Beziehungen. Also das Gefühl, dass man Freundinnen und Freunde auf dem Bildschirm habe. Es sei aber nicht so, dass das Publikum das verwechsele mit Beziehungen zu echten Menschen. „Natürlich wissen die, dass das fiktive Personen sind.“

Trotzdem schließe man eine Beziehung mit ihnen. „Man hat einfach ein Interesse daran, wie es weitergeht“, sagt Schlütz. Wenn eine Serienfigur dann aussteige, könne einen das traurig machen. Insbesondere wenn Figuren sterben, könne einem das nahegehen, das sei dann natürlich auch entsprechend inszeniert.

Fans „trauern“ wahrhaftig
Man könne mitunter ein Phänomen beobachten, das sich „Parasocial Breakup Distress“ nenne. Als bei „Game of Thrones“ etwa Jon Snow gestorben sei - auch wenn seine Geschichte später anders weitergegangen sei -, habe eine Studie die Reaktionen auf Twitter untersucht und sie verschiedenen Stufen des Trauerns zuordnen können, wie sie die Forscherin Elisabeth Kübler-Ross beschrieben hatte.

Auch Schauspiel-Kollege Richard Flood, alias Dr. Cormac Hayes, verließ die Serie wieder nach drei Jahren. (Bild: www.viennareport.at)
Auch Schauspiel-Kollege Richard Flood, alias Dr. Cormac Hayes, verließ die Serie wieder nach drei Jahren.

Andere Menschen wiederum freuten sich vielleicht, dass nun neue Figuren auftauchen, sagt Schlütz. Manchen Serien bekomme es gut, wenn immer mal wieder der Cast ausgetauscht werde. 

Wenn einen der Abschied einiger Figuren stressen kann, warum tun Menschen sich Serien dann überhaupt so gerne an? „Ich glaube: Genau deswegen“, sagt Schlütz. „Nur weil uns etwas stresst und emotional vielleicht in dem Moment negativ berührt, sind wir ja trotzdem unterhalten.“ Man schaue sich auch Horrorfilme an. Oder Filme, die einem Angst machten oder bei denen man sagen könne: „Ach, ich habe mal wieder so richtig schön geheult.“

Mit Sicherheitsabstand genießen
„Das ist natürlich sehr viel angenehmer, das am Fernseher, im Kino oder wo auch immer zu erleben als im wahren Leben“, sagt Schlütz. Bei „Grey‘s Anatomy“ etwa würden wichtige Themen verhandelt - sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, sei wichtig. Es sei gut, auch über die eigene Sterblichkeit nachzudenken und darüber zu sprechen. In der Serie sterbe dann aber eben nicht jemand aus dem eigenen Leben, sondern man sehe aus sicherer Entfernung vom Sofa zu.

Das Chaos jedenfalls, das Meredith Grey in „Grey‘s Anatomy“ schon aushalten musste, will man auch lieber aus größter Entfernung betrachten.

Und es müssen nicht mal die großen Katastrophen wie Flugzeugabsturz oder Amoklauf sein. Eigentlich ereignen sich in jeder Folge so viele Dramen, dass man nach einer Episode geschafft sein kann. Aber aus sicherer Distanz, bisher mit Meredith Grey an der Seite. Mal sehen, wie es in Zukunft weitergehen wird.

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(Bild: kmm)



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