18.10.2011 14:10 |

Aus EU-Geldern

Van Rompuy bekommt Palast um 290 Millionen €

Europaweit müssen derzeit die Bürger den Gürtel enger schnallen und harte Sparmaßnahmen in Kauf nehmen. Äußerst spendabel zeigt sich hingegen die Europäische Union beim Glaspalast, der derzeit um 290 Millionen Euro für EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in Brüssel errichtet wird. Ab 2014 wird der Politiker dort auf 27.000 Quadratmetern Bürofläche über alle Annehmlichkeiten verfügen, wie die "Bild" am Dienstag berichtete.

Seit Monaten gehören Baumaschinen und Handwerker zum Stadtbild Brüssels. Genau gegenüber der Europäischen Kommission arbeiten sie mit Hochdruck an der Fertigstellung des "European Councils", dem neuen Dienstort von Herman Van Rompuy. Mühevoll feilen die Arbeiter an der Umsetzung des Millionen-Projekts des Architekturbüros "Samyn and Partners".

Die 90 Jahre alte Fassade des "Résidence Palace" wird in eine moderne Glasfassade eingearbeitet, denn das Bauwerk soll alt und neu perfekt verbinden. Bis zum Jahr 2014 soll das "Schmuckkästchen", wie Van Rompuy den Glaspalast liebevoll nennt, fertiggestellt sein. Die Kosten für das Luxusobjekt sollten sich ursprünglich auf 240 Millionen Euro belaufen, doch inzwischen sind mindestens 290 Millionen Euro für den Bau zu berappen – und zwar aus dem EU-Haushalt, so die "Bild".

Glaspalast mit "EU-Uterus" spielt alle Stückeln
Für diese horrende Summe soll das Bauwerk allerdings auch einiges bieten: 27.000 Quadratmeter Bürofläche, drei große Konferenzsäle mit Dolmetscherkabinen für Gipfeltreffen, fünf Sitzungssäle für Treffen der EU-Minister, Büros für Van Rompuy und seinen Stab, Räumlichkeiten für Delegationen der EU-Staaten, Restaurants, eine Solaranlage, eine Tiefgarage und einen unterirdischen Bahnhof.

Auch architektonisch soll das Glashaus ein Meisterwerk werden. Inmitten des Gebäudes soll ein eiförmiges Gebilde entstehen, in dem die Sitzungssäle beherbergt sind. Schon jetzt haben Kritiker allerdings einen Spottnamen für die Besprechungszimmer, sie bezeichnen sie als "EU-Uterus".

Kritik am Millionen-Projekt wird immer lauter
Die Kritik geht mittlerweile allerdings weit über die Architektur hinaus, denn angesichts der steigenden Kosten und der Schuldenkrise in Europa kommen immer wieder mahnende Worte. So beschwerte sich der britische Premier David Cameron beim EU-Gipfel im Juli lautstark über den "goldenen Käfig" des EU-Ratspräsidenten. Für besondere Empörung sorgte außerdem die Verteilaktion von Hochglanzbroschüren mit Fotos des Palastes inmitten einer Diskussion über Sparprogramme.

Bedenken äußerte nun auch der Europäische Steuerzahlerbund (TAE). "Die EU muss gerade jetzt extrem sorgfältig mit Steuergeldern umgehen und darf sich nicht dem Vorwurf der Verschwendung aussetzen. Dieses Projekt ist vielleicht architektonisch ein Traum, aber für die Steuerzahler Europas ist es ein Trauma", so TAE-Generalsekretär Michael Jäger gegenüber der "Bild".

Der Vollständigkeit halber muss allerdings vermerkt werden, dass der Bau des Rompuy-Glaspalastes bereits im Jahr 2004 abgesegnet wurde, also vor Amtsantritt des Ratspräsidenten. Doch in Anbetracht der enormen Schuldenberge einiger Euro-Länder wäre vielleicht zumindest eine Verschiebung des Baus zu überdenken gewesen.

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