So, 19. August 2018

Wogen gehen hoch

30.09.2011 16:21

"Motorenkiller" E10 ab 2012 an unseren Tankstellen

Nun ist es also auch bei uns so weit: Der in diesen Jahr in Deutschland am Widerstand der Autofahrer gescheiterte Biosprit E10 wird ab 2012 in Österreich eingeführt. Das gab jetzt Umweltminister Nikolaus Berlakovich bekannt. Doch es formiert sich bereits Widerstand gegen den auch als "Motorenkiller" bekannten Treibstoff: Am Freitag sprachen sich Arbeiterkammer und der Autofahrerklub ARBÖ gegen die Umstellung aus.

E10 ist herkömmlicher Sprit, der eine zehnprozentige Beimischung von Bioethanol enthält. Dieses wird hierzulande vorwiegend aus Zuckerrüben und Weizen gewonnen. ARBÖ und AK ziehen gegen die E10-Einführung mit dem Slogan "Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in den Tank" ins Feld. Der Umweltminister wolle die Preisspirale bei Nahrungsmitteln, insbesondere bei Zucker, weiter anheizen, empörte sich AK-Direktor Werner Muhm.

In Deutschland war die Einführung von E10 in diesem Jahr gescheitert - und das, obwohl der Kraftstoff stark subventioniert wurde und somit deutlich billiger war als herkömmlicher Sprit. Das Problem war bei unserem Nachbarn allerdings anders gelagert: Ältere Autos vertragen E10 nicht, es kann zu kapitalen Motorschäden kommen. Aufgrund der unklaren Situation und wegen der schlechten Informationspolitik verzichteten viele Fahrer deswegen auf das riskante Experiment.

Profitiert nur Agrarindustrie von E10?
Die Konsumenten würden laut AK jedenfalls auch dann draufzahlen, wenn an den Autos keine Schäden entstehen. Entweder Benzin würde sich um 2,5 Cent pro Liter verteuern oder "noch schlimmer" über die "vom Landwirtschaftsminister gewünschte besondere steuerliche Entlastung für E10 um 160 Millionen", so Muhm. Dann würden alle, also auch die, die über kein Auto verfügen diese indirekte Agrarförderung mittragen, gab der AK-Direktor zu bedenken.

Mit der E10-Einführung komme Berlakovich "ausschließlich" den Wünschen der Agrarindustrie entgegen, allen voran der Agrana - jenem Unternehmen, das vor kurzem erst durch die massiven Preiserhöhungen bei Zucker für Aufregung sorgte (siehe Infobox) -, kritisierte die Arbeiterkammer. "Solange Menschen an Hunger sterben müssen, weil Ackerbauflächen für die Produktion von Treibstoffen reserviert werden, kommt die Einführung von E10 in Österreich nicht in Frage", lehnte auch der ARBÖ den Biosprit am Freitag klar ab.

Diskussion um zusätzlichen Getreideanbauflächen
Der heimische Zuckerkonzern Agrana machte hingegen klar, dass es für die E10-Einführung keiner zusätzlichen Getreideanbauflächen bedürfe. Die österreichische Ethanolproduktion decke bereits jetzt den Bedarf für E10. Im Agrana-Bioethanolwerk im niederösterreichischen Pischelsdorf würden momentan jährlich rund 210.000 Kubikmeter Bioethanol hergestellt, teilte das Unternehmen mit.

Den dafür veranschlagten Rohstoffbedarf bezifferte eine Sprecherin auf 500.000 Tonnen. "Bei Durchschnittserträgen entspricht das in etwa 70.000 Hektar" - das sind knapp 100.000 Fußballfelder. Woher die Bestandteile stammen? "Der Rohstoff kommt sowohl aus Österreich als auch aus den angrenzenden Nachbarländern." Genauere Angaben machte die Sprecherin nicht.

Hat E10 schlechtere Umweltbilanz als Super-Benzin?
Der ARBÖ erteilte dem Kraftstoff aber auch deshalb eine deutliche Abfuhr, weil der Umweltnutzen noch nicht nachgewiesen sei und viele Autos durch diese Kraftstoffmischung geschädigt würden. Uwe Krengel vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik hatte erst im März nachgewiesen, dass das E10-Benzin eine schlechtere Kohlendioxid-Bilanz als herkömmliches Super-Benzin aufweise.

Bei seiner Analyse der CO2-Pfade schloss er neben der Verbrennung auch die Produktion des Kraftstoffs ein. Fazit: E10 spart nicht - wie von der Politik gern erklärt - CO2 ein, sondern erzeugt im Gegenteil mehr Kohlendioxid als das bisher übliche Benzin.

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