Di, 21. August 2018

Empörung in Bhutan

28.09.2011 13:51

Widerstand gegen weltweit strengste Rauchergesetze

Neben Snacks und Getränken verkauft ein Straßenhändler in Bhutans Hauptstadt Thimpu unter dem Ladentisch heimlich Zigaretten an seine Kunden. Ein hochriskantes Geschäft, denn in Bhutan stehen auf den Verkauf oder Besitz von - üblicherweise - unverzolltem Tabak bis zu fünf Jahre Haft - das kleine Himalaya-Königreich hat seit der drastischen Verschärfung der Anti-Raucher-Gesetzgebung im Jahr 2010 die strengsten Rauchergesetze der Welt. Doch jetzt regt sich Widerstand.

Leise fragen zwei junge Männer den Straßenhändler nach einem Zehnerpäckchen. Sobald dieser die Schmuggelware überreicht, stopfen sie sie hastig in die Tasche. "Man findet überall Zigaretten, aber es ist gefährlich", sagt einer der Käufer, als er davoneilt. "Der Händler könnte ins Gefängnis kommen."

Schon vor Einführung der neuen Gesetze waren der Handel und der Verkauf von Tabak in dem mehrheitlich buddhistischen Land verboten, ebenso wie das Rauchen auf öffentlichen Plätzen. Die neuen Bestimmungen richten sich nun vor allem gegen den Schmuggel, Verstöße werden drastisch geahndet. Zum privaten Gebrauch dürfen 200 Gramm Tabak und 200 Zigaretten pro Monat legal importiert werden - allerdings gegen eine Zollgebühr von bis zu 200 Prozent. Der Nachweis des Zolls muss zudem aufbewahrt werden.

Drei Jahre Haft für 480 Gramm unverzollten Kautabak
Im März musste ein 23-jähriger Mönch als erstes Opfer der neuen Anti-Raucher-Gesetzgebung für drei Jahre in Haft, nachdem er mit 480 Gramm unverzolltem Kautabak im Wert von umgerechnet 1,84 Euro erwischt worden war. Der bereits im Jänner festgenommene Sonam Tshering zeigte sich in einem Gespräch mit der bhutanischen Tageszeitung "Kuensel" erschüttert: "Ich habe es nicht einmal versteckt", sagte er und beteuerte, das Gesetz nicht gekannt zu haben. Er sei zwar einverstanden damit, bestraft zu werden, "aber die Strafe hätte milder ausfallen können".

Nach einer Untersuchung internationaler Anti-Tabak-Organisationen aus dem Jahr 2009 hatte Bhutan schon damals nur 2,8 Prozent Raucher. Trotzdem nahmen die Behörden im alleine heurigen Jahr bereits mehr als 50 Menschen fest, darunter einen 81-jährigen Greis und einen 16-jährigen Jungen. "Wir machen das für die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Leute", erklärt Kinley Dorji, der Leiter der Rauschgiftkontrollbehörde des abgeschiedenen Königreichs. "Weltweit haben die Menschen Gewohnheiten und Süchte, und manchmal können sie diese nicht so einfach aufgeben."

Proteste auf Facebook, Regierungschef will einlenken
Doch dass Kleinverbraucher im Gefängnis landen, darunter auch einige, die offensichtlich die Gesetzeslage nicht kennen, löste Empörung aus und sorgte für Proteste in Bhutans konstitutioneller Monarchie, die erst 2008 die absolute Monarchie abgelöst hatte. Das politische System Bhutans entspricht seit den Wahlen zum Oberhaus 2007 und Unterhaus 2008 erstmals westlichen Vorstellungen einer Demokratie.

"Die Absicht hinter den Regeln ist zweifellos gut, Tabak tötet Menschen", sagt etwa Tashi Gyeltshen, der die Proteste auf Facebook anführt. Aber Raucher gebe es schon seit Jahrhunderten, meint der 39-Jährige. "Sie können nicht einfach über Nacht aufhören. Alle denken, dass die Gefängnisstrafe ein Fehler ist."

Aufgrund der öffentlichen Empörung kündigte Regierungschef Jigmi Thinley nun an, das Gesetz nochmals zu überprüfen. "Ich denke, es ist nicht ausgewogen", die Strafen seien "exzessiv" und müssten überdacht werden, sagte der Premier vorige Woche im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Und inzwischen haben sich nach einem Bericht der Zeitung "Bhutan Today" sogar schon Bauunternehmer bei der Regierung beschwert: Ihre indischen Arbeiter hätten das Land verlassen, da sie ohne Tabak nicht leben könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Anklage fallengelassen
Hillsborough-Katastrophe: Polizist entlastet!
Fußball International
Die „Krone“ vor Ort
Gruselig! Nur Polizei bei Salzburgs Geister-Hit
Fußball International
Kein Platz in Madrid
Real-Youngster Ödegaard geht zu Vitesse Arnheim!
Fußball International
Champions League
LIVE: Red Bull Salzburg muss gegen Roter Stern ran
Fußball National
Aus und vorbei
Thomas Doll nicht mehr Trainer von Ferencvaros
Fußball International
Franz Lederer gefeuert
Robert Almer neuer Sportdirektor bei Mattersburg!
Fußball National

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.