29.03.2023 16:13 |

Man muss schneller ran

Zuckersüß: So passen Kakerlaken ihr Sexleben an

Paarungshungrige Kakerlakenmännchen haben es nicht leicht. Denn seitdem Glukose in Schabenfallen verwendet wird, sind die Weibchen bei den Umwerbungsgeschenken immer wählerischer. Die unliebsamen Ungeziefer werden wir jedoch trotzdem nicht so schnell loswerden.

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Wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der North Carolina State University nahelegt, sollte man nicht zu voreilig das Aussterben des Ungeziefers feiern. Denn einige Männchen haben sich auf die neuen Paarungsumstände eingestellt - auch, indem sie ihr Vorspiel verkürzen.

Widerspenstige Plage
Die kleine, aber widerspenstige Deutsche Küchenschabe ist die verbreitetste Kakerlakenspezies weltweit; Tiere ihrer Art krabbeln in Bädern und Küchen auf der ganzen Welt herum. Darauf reagierte der Mensch mit zuckrigen Fallen, die mit Glukose, also Fruchtzucker, versehen ausgelegt wurden. Schon vor 30 Jahren bemerkten Forscher, dass Kakerlaken dagegen wiederum eine Abneigung entwickelten.

Glukose ist nicht mehr so der „Burner“
Diese Abneigung gegen Glukose mag die Schaben zwar vor dem Tod bewahren - bedeutet aber auch einen Dämpfer für ihr Sexleben: Laut der Studie, die am Mittwoch im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht wurde, vollziehen Kakerlakenmännchen nämlich ein ganz besonderes Manöver, um Weibchen von sich zu überzeugen.

Sie heben ihre Flügel an und lassen über eine Drüse ihr Paarungsgeschenk austreten - einen anziehenden Cocktail, der unter anderem aus Maltose, also Malzzucker, besteht. Das Weibchen springt dann auf den Rücken des Mannes, um die Süßigkeit aufzulecken - lange genug abgelenkt, dass das Männchen sich paaren kann.

Allerdings zersetzt der Kakerlakenspeichel der Weibchen Maltose in Glukose. Weibchen, die gegen Glukose eine Abneigung entwickelt haben, brechen die Paarung dann frühzeitig ab - was laut Studie „die zukünftige Reproduktion der Spezies beeinflussen könnte“.

Anderes Wundermittel musste her
Männchen mit einer Abneigung gegen Glukose haben aber einen Weg gefunden, dieses Problem zu umgehen. Sie mischen ihren Paarungscocktail einfach anders: Sie haben den Anteil an Maltotriose, einem anderen Zucker, mehr als verdoppelt. Maltotriose ist bei Kakerlakenweibchen sehr beliebt und braucht viel länger, um zu Glukose zersetzt zu werden.

Not macht erfinderisch
Die erfinderischen Männchen haben außerdem ihr Balzritual verkürzt. Damit verringern sie die Zeit, in der sich ihr Paarungsgeschenk in Glukose zersetzen kann. Das Vorspiel von Kakerlakenmännchen mit Glukose-Abneigung dauert durchschnittlich nur noch 2,2 Sekunden - und ist damit beinahe zwei Mal schneller als das normaler Kakerlakenmännchen. Den Autoren der Studie zufolge können die Ergebnisse ihrer Forschung dabei helfen, Kakerlaken-Plagen einzudämmen. Einige Forscher raten dazu, Glukose nicht länger für Schabenfallen zu verwenden.

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