Trug kein Kopftuch
Iranische Aktivistin nach Freilassung verschwunden
Eine bekannte iranische Aktivistin ist kurz nach ihrer Freilassung aus der Haft verschwunden. Die 28-Jährige war in einem Video ohne das verpflichtende Kopftuch zu sehen. Darin hatte sie sich auch an Irans obersten Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei gerichtet.
„Wir bringen dich unter die Erde“, rief die Aktivistin mit offenem Haar im Video. Nun ist sie verschwunden, die genauen Umstände sind noch unklar. Laut einem Webportal soll Sepideh Gholian am Mittwoch bei ihrer Heimreise festgenommen worden sein. Sie war erst am selben Tag nach mehr als vier Jahren Haft aus dem berüchtigten Evin-Gefängnis in der Hauptstadt Teheran entlassen worden.
Überfüllte Gefängnisse
Die 28-Jährige war erstmals 2018 festgenommen worden, nachdem sie über Gewerkschaftsproteste berichtet hatte. Iranischen Medienberichten nach soll sie jetzt begnadigt worden sein. In der Vergangenheit klagten Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler immer wieder über die Haftbedingungen. Die Organisation Amnesty International berichtete kürzlich etwa von extremer Überbelegung, unzureichendem Zugang zu Toiletten und Waschgelegenheiten, Mangel an Nahrung und Trinkwasser. Mehr als 22.000 Menschen sollen seit Beginn der jüngsten Protestwelle im Herbst 2022 inhaftiert worden sein.
Junge Iranerinnen und Iraner fordern seit Monaten die politische und geistliche Führung heraus. Sie wollen mehr Rechte und erheben den Vorwurf, dass die 22-jährige Kurdin Mahsa Amini von der Polizei misshandelt wurde. Die Frau starb, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen worden war, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß getragen haben soll. Die Sicherheitskräfte gehen massiv gegen die Proteste vor. Immer wieder kommen Menschen dabei ums Leben oder werden verhaftet. Sogar Kinder sollen in Gefängnissen sitzen und dort gefoltert werden.
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