Normalerweise ist der gegnerische Trainer nach einer Niederlage nicht gut auf den Siegtorschützen zu sprechen. Nach dem 0:1 von Kamerun gegen die Schweiz bei der WM in Katar war das am Donnerstag ganz anders, gab es Lobeshymnen von Rigobert Song für Breel Embolo. „Wir kennen einander, er ist wie mein kleiner Bruder. Wir sprechen oft miteinander am Telefon und ich möchte ihm herzlich gratulieren. Das ist einfach Fairplay, das zu machen“, sagte der 46-Jährige.
Nur weil man in verschiedenen Teams tätig sei, bedeute das nicht, dass er nicht mehr sein Bruder sei. „Ich freue mich für ihn und bin stolz auf ihn. Er spielt für das Schweizer Nationalteam. Sicher hätte ich ihn lieber in meinem Team, aber so ist der Weg im Leben“, sagte Song. Embolo wurde in Kameruns Hauptstadt Yaounde geboren. Im Alter von fünf Jahren zog der Stürmer mit seiner Mutter nach Frankreich, bevor er später in die Schweiz übersiedelte. 2014 bekam er die Staatsbürgerschaft, 2015 gab er sein Debüt für die Nati, für die er in seinem 60. Länderspiel sein zwölftes Tor erzielte.
Der Jubel des Profis vom französischen Erstligisten AS Monaco nach dem Tor in der 48. Minute hatte fast entschuldigend gewirkt. Die Glückwünsche der Kollegen nach dem Abpfiff hatte Embolo auch eher zurückhaltend entgegengenommen. Sein erstes WM-Tor ausgerechnet gegen sein Heimatland war jedenfalls ein ganz spezielles Gefühl. „Nach so langer Zeit und so viel Gerede“ habe er sich damit einen Traum erfüllt. „Ich bin stolz. Es ist enorm. Ich bin einfach stolz für mich und meine Familie. Es war eine sehr, sehr reife Leistung. Wir sind froh, dass wir so ins Turnier gestartet sind“, verlautete der Matchwinner.
Embolo musste kurz nach der Pause nach idealer Shaqiri-Hereingabe in der Mitte nur noch vollenden. „Das ist schon eine spezielle Geschichte für ihn. Ich bin sehr froh, dass er für uns spielt, deshalb haben wir gewonnen“, meinte der rechtzeitig fit gewordene Tormann Yann Sommer. Und Mittelfeldspieler Djibril Sow ergänzte: „Es freut mich, dass er sein Tor machen konnte. Ich hoffe, das gibt ihm auch für die nächsten Spiele Selbstvertrauen. Das braucht er und wir brauchen ihn.“
Dessen ist sich auch Trainer Murat Yakin bewusst, laut dem sein Einserstürmer seine Aufgabe erfüllt habe. „Darüber sind wir sehr glücklich“, betonte der 48-Jährige. Sein mit der zweit-ältesten Startelf der Schweizer-WM-Geschichte angetretenes Team könne jetzt einmal den Moment genießen. „Am Montag erwartet uns dann ein komplett anderes Spiel“, war sich Yakin sicher. Da wartet mit Brasilien einer der Turnier-Mitfavoriten. Kamerun steht da gegen Serbien unter Druck. „Wir haben die Hoffnung noch nicht verloren, glauben weiter daran. Da ist noch alles möglich“, sagte Song.








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