Ukrainische Polizei:

Russisches Foltergefängnis in Balaklija entdeckt

Ausland
14.09.2022 07:45

Nach der Rückeroberung von Gebieten in der Ostukraine stoßen die ukrainischen Behörden dort nach eigenen Angaben auf Hinweise für mutmaßliche Verbrechen der russischen Besatzungsmacht. So berichtete der ranghohe ukrainische Polizist Serhij Bolwinow aus der Stadt Balaklija, dass die Invasoren im örtlichen Polizeirevier ein Foltergefängnis unterhalten hätten. Im Keller seien während der mehrere Monate dauernden Besatzung immer etwa 40 Menschen eingesperrt gewesen.

„Die Besatzer nahmen diejenigen mit, die beim Militär dienten oder dort Verwandte hatten, und suchten auch nach denen, die der Armee halfen“, schrieb der Leiter der Ermittlungsabteilung bei der Polizei Charkiw am Dienstag auf Facebook. Nach Zeugenaussagen seien Gefangene mit Stromschlägen gefoltert worden.

46 Tage im Foltergefängnis
Anton Geraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, teilte auf Twitter ein Video von einem jungen Mann, der berichtet, gefoltert worden zu sein. Er sei 46 Tage lang unter schrecklichen Bedingungen gefangen gehalten worden. „Er kann sich glücklich schätzen, überlebt zu haben“, schrieb Geraschtschenko. 

Den Ermittlern würden auch Informationen über getötete Stadtbewohner vorliegen, so Bolwinow. Sie seien am letzten Tag der russischen Besatzung von feindlichen Truppen erschossen worden. Auch aus anderen Orten der Region gibt es noch nicht verifizierte Berichte über den Fund von Ermordeten. Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Umgebung von Kiew im Frühjahr waren dort Hunderte tote Zivilisten entdeckt worden. Moskau stritt trotz erdrückender Beweise ab, dass die Tötungen auf das Konto russischer Soldaten gingen, und sprach von einer ukrainischen Inszenierung.

Ukraine weitet Kontrolle aus
Indes hat die Ukraine nach Angaben des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mehr als 4000 Quadratkilometer des von den russischen Streitkräften zurückeroberten Territoriums nun vollständig unter Kontrolle gebracht. Das Land sei auch dabei, seine Kontrolle über weitere 4000 Quadratkilometer zu stabilisieren, sagt Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Am Montag hatte er erklärt, die Ukraine habe bei ihrer jüngsten Gegenoffensive 6000 Quadratkilometer zurückerobert.

Ukrainische Beamte weisen jedoch darauf hin, dass es wichtig ist, zwischen der Einnahme von Territorium und der Gewährleistung der völligen Sicherheit dieses Territoriums zu unterscheiden. 4000 Quadratkilometer entsprechen etwa der Fläche des Burgenlands.

Pensionen wieder ausgezahlt
In den zurückeroberten Gebieten versucht die Ukraine nach Worten von Präsident Selenskyj, das Leben rasch wieder zu normalisieren. „Es ist sehr wichtig, dass mit unseren Truppen, mit unserer Flagge auch das normale Leben in die nicht mehr besetzten Gebiete zurückkehrt“, sagte Selenskyj am Dienstagabend in seiner Videoansprache. Als Beispiel sagte er, dass in der befreiten Stadt Balaklija im Gebiet Charkiw erstmals wieder Pensionen ausgezahlt worden seien - und zwar für fünf Monate. „In der Zeit der Besetzung konnten wir keine Zahlungen leisten.“

Zu den anderen Aufgaben in dem Gebiet zählte Selenskyj die Suche nach versprengten russischen Soldaten und Sabotagegruppen sowie die Festnahme von Kollaborateuren. Die Sicherheit in den befreiten Landesteilen müsse hergestellt werden.

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