Unwetter im Stubaital

Sachen von vermisstem Pfarrer an Bachufer entdeckt

Tirol
23.07.2022 22:09

Noch immer fehlt jede Spur von jenem Pfarrer, der seit den schweren Unwettern am Freitagabend im Tiroler Stubaital vermisst wird. Lediglich einige seiner Gegenstände wurden am Ufer der Ruetz gefunden, das zerfetzte Auto des 60-Jährigen fischten die Einsatzkräfte aus dem Bach. Wie nun bekannt wurde, erfassten die Fluten neben einem Paar in Fulpmes auch ein Auto in Mieders.

Eine Bibel, Visitenkarten und Dokumente - diese persönlichen Gegenstände des Pfarrers entdeckten Kräfte der Wasserrettung am Samstag am Ufer der Ruetz. Sein Auto wurde ebenfalls aus den reißenden Fluten des Bachs gezogen - in mehrere Stücke zerfetzt und kaum mehr als Pkw zu erkennen. Vom 60-jährigen Lenker fehlt nach wie vor jede Spur. Am Samstagnachmittag mussten die Einsatzkräfte die Suche vorläufig abbrechen - zu gefährlich sei die Situation. Erst, wenn sich das Wasser beruhigt hat, kann es weitergehen. 

Ein Teil des Autos, das dem vermissten 60-jährigen Pfarrer gehörte, wurde im Ruetz-Fluss entdeckt. (Bild: Liebl Daniel/zeitungsfoto.at)
Ein Teil des Autos, das dem vermissten 60-jährigen Pfarrer gehörte, wurde im Ruetz-Fluss entdeckt.
(Bild: Liebl Daniel/zeitungsfoto.at)

Fahrer rettete sich in letzter Sekunde
Auch in Mieders erfassten Geröllmassen am Freitagabend ein Auto. Dessen Insasse hatte Glück: Er konnte sich noch rechtzeitig mit einem Sprung aus dem Fahrzeug retten, das vom Mühltalbach mitgerissen und bis in die Ruetz geschwemmt wurde. „Ein Wrackteil des vollständig zerstörten Pickups ragt noch im Bereich ‘Kirchbrücke‘ aus dem Wasser“, teilte die Polizei am Samstagabend mit.

Auch in Fulpmes wurde ein Auto von einer Mure erfasst. Die beiden Insassen wurden bis zu den Oberarmen verschüttet und mussten von der Feuerwehr geborgen werden. 

Aufräumarbeiten nach den Unwettern werden weiter andauern. In Neustift wurde das Oberbergtal laut Bürgermeister Andreas Gleirscher „vermurt wie noch nie“. Straßen wurden weggerissen, der Schaden dürfte sich allein hier auf viele Hunderttausend Euro belaufen. Mehrere Almen sind von der Außenwelt abgeschnitten und mussten aus der Luft mit Notaggregaten und Trinkwasser versorgt werden.

Auf der Franz-Senn-Hütte saßen nach Murenabgängen rund 120 Gäste fest. Etwa die Hälfte davon wurde von Polizeihubschraubern geborgen, der Rest soll am Sonntag ausgeflogen werden. 

Stromausfälle, Überschwemmungen, zerstörte Brücke
In mehreren Ortsteilen wurden insgesamt 20 Häuser - darunter fünf Hotels - überschwemmt, außerdem kam es zu Stromausfällen. In Fulpmes wurde eine Brücke über den Margaretenbach völlig zerstört, eine weitere beschädigt. Zahlreiche Rettungsorganisationen standen im Großeinsatz. „Trotz der widrigen und gefährlichen Verhältnisse“ seien keine Einsatzkräfte zu Schaden gekommen, verkündete die Polizei.

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