Wie Armut aussieht, zeigt ein Besuch bei Cornelia H. in Graz. Der alleinerziehenden Mutter fehlt es an vielem. Und die aktuelle Teuerung verschärft die Lage zunehmend.
Louisa schneidet Papierbuchstaben aus. A, B, C legt sie auf den Küchentisch, lächelt schüchtern und flüstert, wie kleine Mädchen das so machen, ihrer Mama etwas ins Ohr. Schon von Geburt an sorgt Cornelia H. (Name geändert) alleine für ihre Tochter, mit der sie in einer kleinen Wohnung am Grazer Stadtrand lebt.
Gelernt wird in der Nacht
„Bis März haben wir in der Nähe von Knittelfeld gewohnt. Ich konnte dort allerdings keinen Job annehmen, weil es keine Ganztagsbetreuung für Louisa gab, daher mussten wir umziehen“, erzählt H. Doch auch in der steirischen Landeshauptstadt sei es eine enorme Belastung gewesen, ohne familiären Beistand Fuß zu fassen. Sie habe in Graz zwar noch keinen Arbeitsplatz, dafür wieder ein bisschen zu sich gefunden.
Nachdem H. ihren Job als Schulassistentin verloren hat und ihr völlig unerwartet auch der letzte Job gekündigt worden ist, absolviert sie nun eine Ausbildung zur Sozialpädagogin. „Das mache ich nachts, damit ich untertags für Louisa da sein kann“, sagt die Vollblut-Mama.
Ich wünsche mir einen kleinen Bus, damit ich meiner Tochter die Welt zeigen kann.
Cornelia H.
Ein Kinobesuch ist unmöglich
Eine neue Stelle ab Herbst hat sie in Aussicht und damit die Hoffnung, dass einiges besser wird. Wie die 35-Jährige berichtet, bleibt derzeit einfach zu wenig Geld, um den Alltag zu bestreiten. Öfters geht sie daher auch zum Vinzimarkt in Eggenberg. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Grundversorgung zu sichern, aber von vielem ist die Familie abgekoppelt.
An einen Kinobesuch, ein Essen im Lokal oder gar ein Auto ist nicht zu denken. „Ich wünsche mir einen kleinen Bus, damit ich meiner Tochter die Welt zeigen kann“, träumt H. von einer schöneren Zukunft.
Der letzte Urlaub ist zwölf Jahre her
Urlaub habe sie das letzte Mal vor zwölf Jahren gemacht. „Irgendwann werden wir viele Länder bereisen und tolle Dinge erleben“, ist sich H. sicher. Mit positiven Gedanken versucht sie, nach vorne zu blicken.
Es ist ihr trotzdem anzumerken, dass die Situation sie belastet: das knappe Geld, die fortwährende Anstrengung, ihrer Tochter ein gutes Leben zu bieten. Kraft hätten ihr immer wieder ihre Tiere gegeben. Umso trauriger macht sie der Verlust ihres Hundes. „Erst diese Woche habe ich ihn einschläfern lassen müssen.“
Die Kosten dafür aufzubringen, sei fast unmöglich gewesen. „Nach solchen Situationen weiß ich oft nicht, wie es weitergeht.“ Sich in der Frustration einzurichten, sei für sie aber keine Option.
Schulstart bereitet große Sorgen
Eine neue Herausforderung kommt im Herbst auf sie zu, wenn Louisa in die Schule geht. Das bereite ihr bereits Kopfzerbrechen. Der Beistand, den sie von den Vinziwerken bekommt, sei zumindest eine Erleichterung. „Sie unterstützen mich mit Schulutensilien und Schulgeld“, erzählt die 35-Jährige.
Sie möchte, dass der neue Lebensabschnitt für ihr Kind unvergesslich wird. Vor allem, weil sie auch wisse, wie es ist, wochenlang im Schlafsack in einem leeren Zimmer zu schlafen.
Für Hilfe muss man sich nicht schämen
Hin und wieder gelangt sie über Internet-Verkaufsplattformen an Stücke, mit denen sie die Wohnung aufmöbelt. „Neue Dinge zu kaufen, geht sich nicht aus.“ Stattdessen versucht H. alten Gegenständen neues Leben einzuhauchen oder sie umzufunktionieren.
Luxusgüter wie teure Handtaschen vermisst sie nicht. „Das Wichtigste ist meine kleine Familie, wir halten zusammen wie die Musketiere.“ Sich Hilfe zu holen, sei dennoch manchmal der einzige Ausweg aus einer Notlage. „Dafür muss man sich nicht schämen.“












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