Schicksal gemeistert

Magistrats-Legende und Pionier der Welser Kicker

Zwei Monate Flucht im Krieg, Karriere als Vertriebener: Franz Werner, der Vater von Ex-Teamstar Jürgen, zieht seine Lebensbilanz.

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Vertriebene sudeten- und volksdeutsche Top-Unternehmerfamilien wie Engel (Schwertberg), Fronius (Pettenbach), Gablonzer (Enns), Anger (Traun) oder Schmied/Silhouette (Linz) halfen kräftig mit, die Wirtschaft in Oberösterreich aufzubauen. Diese Feststellung stammt vom renommierten Linzer Historiker und Uni-Professor Roman Sandgruber.

Zwei Monate auf der Flucht
Einer der rund 660.000 in Österreich gestrandeten Vertriebenen ist Franz Werner (85) aus Wels. „1944 bin ich als Achtjähriger trotz Kriegswirren mit meiner Mama Anna, den Brüdern Ferdinand, Jakob, Edgar, den Schwestern Hilde, Annemarie, Ilse und Beate sowie den Großeltern geflüchtet. Mit Ross und Wagen ging es zwei Monate lang von Banovci über Ungarn, Niederösterreich nach Oberösterreich“, erzählt er.

Im Barackenlager gewohnt
Anfangs wohnten sie bei Bauern in Steinhaus: „Wir alle haben am Feld und am Hof geholfen.“ 1947 kam Vater Ferdinand aus der Gefangenschaft heim, sie übersiedelten ins Barackenlager am Welser Verschiebebahnhof. Franz besuchte nach der Hauptschule das Bundesrealgymnasium Wels, schloss die Handelsschule ab und bestand die Externisten-Reifeprüfung am Akademischen Gymnasium Linz. Anfangs Verkäufer und Buchhalter, wurde Werner 1963 am Magistrat Wels angestellt. Der spätere Regierungsrat arbeitete sich bis zum Leiter der Personalabteilung (1979) hoch.

Torjäger und Obmann
Parallel war Werner bei der Eintracht Wels als torgefährlicher Mittelstürmer eine regionale Fußballgröße. Als Obmann schaffte er mit der Eintracht den Wiederaufstieg in die 1. Landesliga, später Regionalliga.

Wunsch nach mehr Lebenszeit
„Heilig“ waren ihm die regelmäßigen Treffen mit seinen Geschwistern. Der Chef des „Werner-Clans“ ist besonders stolz auf Enkelin Julie: „Sie kümmert sich sehr um Helga und mich. Ich hoffe, der Herrgott schenkt mir noch viele Jahre.“

Freunde in Kaprun verloren
Wie schnell es gehen kann, erfuhr er am 11. November 2000: „Bei der Brandkatastrophe der Gletscherbahn in Kaprun habe ich viele enge Freunde vom Welser Magistrat verloren.“

Reinhold Waldenberger/Kronen Zeitung

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