13.07.2011 13:24 |

Text wird geändert

"Große Töchter" kommen fix in die Bundeshymne

Die Nationalratsfrauen von ÖVP, SPÖ und den Grünen haben sich durchgesetzt: Der Text der österreichischen Bundeshymne wird mit Rücksicht auf die "großen Töchter" der Nation abgeändert. Statt "Heimat bist du großer Söhne" singt man künftig wahrscheinlich "Heimat großer Töchter, Söhne". Mit ihr peinlichen Dauerrede-Aktion letzte Woche dürften die männlichen ÖVP-Mandatare der Anti-Änderungs-Fraktion letztendlich einen Bärendienst erwiesen haben.

Wie berichtet, hatten die ÖVP-Frauen mit Unterstützung der Mandatarinnen von SPÖ und Grünen am Freitag im Nationalrat in einer Blitzaktion einen Antrag zur seit 2005 debattierten Textänderung der Bundeshymne eingebracht.

Die männlichen ÖVP-Abgeordneten blockierten daraufhin in einer eher als infantil zu bezeichnenden Aktion mit Nonsensreden (u.a. zu Weinbau, Schweinezüchtung, "Süßstoff Stevia", etc.) die Redezeit für den Antrag. Formal eingebracht und an den zuständigen Ausschuss weitergeleitet wurde er dann aber trotzdem.

Das Schweigen der Männer
Vonseiten des ÖVP-Klubs, allen voran Klubobmann Karlheinz Kopf, gab es daraufhin tagelang keine Stellungnahme zum Antrag sowie zur Aktion der Volkspartei-Abgeordneten, die weithin als peinlich, kleinkariert, kindisch und undemokratisch kritisiert wurde.

In der Vergangenheit war jeder Anlauf zu einer Textänderung traditionell an den VP-Männern gescheitert. Vizekanzler Michael Spindelegger signalisierte jedoch am Dienstag Bereitschaft für eine Textänderung, ebenso sprachen sich die ÖVP-Ministerinnen Maria Fekter und Johanna Mikl-Leitner laut für eine "Töchter-Hymne" aus.

Gesetzesbeschluss im Herbst, gültig ab 1. Jänner 2012
Der Druck auf die durch ihr eigenes Verhalten bloßgestellte Männer-Riege der Volkspartei dürfte gewirkt haben: Die Frauensprecherinnen der drei Antragsparteien, Dorothea Schittenhelm (ÖVP, li.), Gisela Wurm (SPÖ, mi.), und Judith Schwentner (Grüne, re.) konnten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch die Gesetzesänderung verkünden. Die drei Parteien seien sich einig, im Herbst werde man den neuen Text im Parlament beschließen, mit 1. Jänner 2012 könne dann schon die neue "Töchter-Hymne" gesungen werden.

Laut den drei Parlamentarierinnen ist bei dem Vorhaben auch das BZÖ mit an Bord. Die FPÖ, bei der sich selbst weibliche Mandatarinnen gegen die Töchter-Änderung aussprechen, zieht nicht mit. Frauensprecherin Carmen Gartelgruber bezeichnete die Causa am Mittwoch als "Gender-Klamauk". Seriöse Frauenpolitik würde mit dieser Aktion ins Lächerliche gezogen, so Gartelgruber, die neben "internationaler Häme" befürchtet, dass jemand demnächst dem "Bundesadler noch ein Schminktäschchen statt der Sichel verpassen" wollen könnte. BZÖ-Chef Josef Bucher nützte dies für einen Seitenhieb: "Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen, daher sind textliche Änderungen durchaus möglich." Das BZÖ sprach sich auch für einen Ideenwettbewerb zur neuen Textpassage aus.

Wurm: Töchter "sind ja die Mehrheit"
Für die Frauen ist das Ziel, nicht nur die "Söhne" zu nennen, sondern auch die "Töchter", "die ja die Mehrheit sind und daher vorangestellt werden sollten", erklärte SPÖ-Frauensprecherin Wurm bei der Pressekonferenz erneut, worum es ihr bei dieser "wichtigen Nebensache" geht. Sprache sei "ein Herrschaftsinstrument" und die Bundeshymne besitze große Symbolkraft, so Wurm. Auch Schittenhelm wies den Vorwurf des "Sommerloch-Themas" in Bezug auf die Bundeshymne zurück. Sie habe sogar auf ihrer Mobilbox gesungene Textvorschläge vorgefunden.

Wie die Textänderung nun genau aussehen wird, steht allerdings noch nicht fest. Das soll mit Experten beraten werden. Nach wie vor im Gespräch ist, die Zeile "Heimat bist du großer Söhne" durch die Wortfolge "Heimat großer Töchter, Söhne" zu ersetzen. Laut Schittenhelm ist das aber noch nicht fix, es könnte auch beispielsweise "Heimat bist du großer Töchter und großer Söhne" heißen, wobei dies den Rhythmus der Hymne stark abändern würde. Die "Brüderchöre" in der dritten Strophe sollen übrigens bleiben.

Schittenhelm: "In jeder Familie gibt es Reibereien"
Die "Reibereien" innerhalb des VP-Klubs bezeichnete Schittenhelm am Mittwoch als ausgeräumt, sowohl Klubchef Kopf als auch der Parteichef stünden hinter der Textänderung. Schittenhelm zeigte einerseits Verständnis für das Verhalten von Kopf, bekannte sich aber gleichzeitig zur Geheimaktion von letzter Woche. Es gebe ein Prozedere, das im Klub einzuhalten sei. Sie stehe aber dazu und "ich bin für die Veränderung des Textes und habe das Prozedere ein wenig außer Acht gelassen", so Schittenhelm. Das sei "wie in der Familie, in jeder gibt es Reibereien". Sie habe aber mit Kopf gesprochen und die Sache sei nun "ausgeräumt und erledigt".

Was die Zustimmung der ÖVP im Plenum betrifft, glaubt sie nicht an große Widerstände. Es gebe vielleicht einige wenige, die dagegen seien. Die offizielle Linie der Partei sei aber klar und man werde der Gesetzesänderung zustimmen. Gisela Wurm glaubt sogar, dass man (dank des BZÖ) "locker" ein Zweidrittelmehrheit zustande bringen werde. Und vielleicht stimme ja auch der eine oder andere von der FPÖ, die gegen die Initiative ist, auch mit.

Sprecherinnen wollen jetzt öfter zusammenarbeiten
Mit der "Töchter-Hymne" ist es für die drei Frauensprecherinnen übrigens noch nicht getan. Schittenhelm, Wurm und Schwentner wollen ihre Zusammenarbeit im Nationalrat weiter vertiefen. In diesem Zusammenhang kündigte Wurm auch eine gemeinsame Aktion zum 15-jährigen Bestehen des Gewaltschutzgesetzes am 19. September an. "Es ist gelungen, durch gute Zusammenarbeit Vertrauen unter den Frauensprecherinnen zu schaffen. So kommt man zu Einigungen und zu positiven Ergebnissen." Ein weiteres "melodisches" Projekt: Die Landeshymnen. Dort gibt es laut den Sprecherinnen nämlich noch mehr Handlungsbedarf...

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