„Krone“-Selbstversuch

Wie leicht oder schwer geht‘s zum Waffenschein?

Waffen in Privatbesitz sind immer ein heißes Thema. Die „Krone“ hat den Test gemacht, wie schnell beziehungsweise wie schwer man zur Waffenbesitzkarte kommt.

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Der Amokschütze (18) von Texas ermordete 19 Volksschulkinder und zwei Lehrerinnen. Die USA und der dort vorherrschende Trend zum privaten Waffenbesitz rufen erneut Kritiker auf den Plan. Und auch wenn Vorfälle wie jene in den Vereinigten Staaten so gut wie nie in Österreich vorkommen, fällt auf: Auch hierzulande wird aufgerüstet.

Krisen als Antreiber
Denn immer mehr Oberösterreicher legen sich Waffen zu. Als Treiber können hier Krisen – wie etwa die Flüchtlingswelle 2015 oder die Corona-Pandemie sowie der herrschende Krieg zwischen Ukraine und Russland – genannt werden. Doch wie leicht ist es, sich in Oberösterreich legal zu bewaffnen – abgesehen von Messern und frei erhältlichen Flinten? Dieser Frage ging „Krone“-Redakteur Markus Schütz nach – und startete den Selbstversuch.

Trefferquote irrelevant für Waffenführerschein
Zwei Schritte sind für die Waffenbesitzkarte (WBK) nötig – einerseits ein psychologisches Gutachten, andererseits ein Waffenführerschein. Für beides waren die Termine schnell vereinbart.

Sportliches Interesse
Schieß-Schauplatz Wels - hier absolvierte unser „Krone“-Redakteur das notwendige Training. Von den sechs anderen Kursteilnehmern äußern alle ein rein sportliches Interesse an der Waffe. Diese dann aber im Notfall trotzdem rasch zur Hand zu haben, ist zumindest dann doch ein Thema beim Durchgehen der 26-seitigen Gesetzes- und Technikschulung. Für „Krone“-Redakteur Markus Schütz ist es der erste scharfe Schuss seit dem Bundesheer. „Zwei Treffer, nicht schlecht“, kommentiert der Welser Waffenhändler Clemens Wertgarner den Versuch.

Die Schussleistung mit der Glock 17 ist aber ohnehin egal. Auf zehn Meter Entfernung trafen nur zwei der fünf 9-Millimeter-Kugeln die Scheibe. Die Mitte – weit gefehlt. „Etwa 80 Prozent aller Personen, die eine Waffenbesitzkarte lösen, kaufen dann auch eine Waffe“, erklärt Wertgarner – in den vergangenen sieben Jahren kamen 10.000 Oberösterreicher mit Waffenbesitzkarte neu dazu.

100 Fragen
Im Kurs in Wels wird auch gleich der vom Gesetzgeber verlangte Psycho-Test mitangeboten. „Jeder Zehnte schafft ihn nicht“, sagt der Waffenhändler. Der „Krone“-Tester hat das psychologische Attest zwei Tage zuvor im Institut „Gute Fahrt“ in Linz gemacht. Psychologe Wolfgang Senk bat zum Gespräch, in dem es neben dem Grund für die Bewaffnung um Familie und das Gute-Nacht-Bier ging. Dann folgte der Computer-Test. Mehr als 100 Fragen sind es - keine davon lautete „Wen wollen Sie erschießen?“ Fazit: keine gröberen Auffälligkeiten, positives Gutachten.

„Selbstschutz“ und „Sport“ als gängige Motive
Der Weg zur Bezirkshauptmannschaft ist dann nur noch ein Formalakt. „Selbstschutz“ und „Sport“ gelten als Motiv für die Schusswaffe daheim. Der Postler bringt die Waffenbesitzkarte. Ob man mit der Pistole im Schrank die Sicherheit tatsächlich erhöht oder das Gegenteil erreicht – eine Glaubensfrage, die unser „Krone“-Redakteur an dieser Stelle offen lässt.

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