04.04.2022 19:20 |

Bis zu minus 4 Grad

Frost: „Hellblaues Auge“ für Österreichs Bauern

In vielen Landesteilen sind die Temperaturen in der Nacht auf Montag unter den Gefrierpunkt gefallen. Besonders die Obstbauern in Österreich zitterten, die Obstbäume dürften den Frost aber relativ gut überstanden haben. Am gefährdetsten waren Marillenbäume in Ostösterreich, die wegen des bisher milden Wetters im März schon stark blühten. Jetzt wurden in der Wachau aber -2 bis -4 Grad Celsius gemessen. Im Laufe des Tages konnte dennoch aufgeatmet werden. Für die restliche Woche scheint die Gefahr von Frostschäden gering.

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„Große Schäden sind ausgeblieben“, hieß es von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich auf APA-Anfrage. In der Wachau beheizten zahlreiche Marillenbauern in der Nacht ihre Gärten mit Öfen, um die Ernte zu retten. Durchaus mit Erfolg, wie Franz Reisinger, Obmann des Vereins „Wachauer Marille g.U.“, festhielt: „Wir sind mit einem hellblauen Auge davongekommen.“ Noch nicht eindeutig quantifizierbare Schäden seien vor allem in exponierten Lagen sichtbar geworden. Dennoch könne es auch dort „noch eine sehr gute Ernte werden“.

Von der Burgenländischen Landwirtschaftskammer hieß es, dass die Temperaturen von -1 bis -3 Grad noch keine größeren Schäden angerichtet haben dürften, es sei aber noch zu früh für eine endgültige Einschätzung. Die empfindlichen Lagen seien teilweise beheizt worden.

Apfelbauern befürchten keine Schäden
Die steirischen Obstbauern haben am Montag noch keine schwerwiegenden Frostschäden verzeichnet. Beim Apfel sei die Blüte noch gar nicht so weit entwickelt und die Temperaturen waren auch nicht allzu niedrig. Es sei bewölkt gewesen und es gab eine hohe Luftfeuchtigkeit, da sei die Gefahr von Frostschäden sehr gering, hieß es auf APA-Nachfrage. Bei der Marille seien vereinzelte abgefrorene Blüten entdeckt worden, doch es seien noch ausreichend gesunde Blüten vorhanden.

Aus der Tiroler Landwirtschaftskammer hieß es, dass die Vegetation - etwa bei der Stanzer Zwetschke - noch nicht so weit fortgeschritten sei, dass man die Frostberegnung einschalten müsse. Am ehesten sei die Marille gefährdet, insgesamt sei man aber „gut davongekommen“. Allerdings seien die kommenden Wochen ausschlaggebend.

Auch Salzburg als Streuobstland dürfte relativ glimpflich davongekommen sein, da die meisten Obstbäume noch gar nicht blühen. „Wenn, dann hat es Marillen oder Kriecherl getroffen“, sagte Johann Wesenauer, der Obmann des Salzburger Landesverbandes für Obst- und Gartenbau. In 800 Metern Seehöhe sei die Temperatur in der Nacht auf Montag auf -6 Grad gefallen, sollte dort ein Marillen- oder Kriecherlbaum geblüht haben, „dann ist die Blüte kaputt“. Die Marillenbäume würden aber zumeist an Wänden stehen, wo man sie mit Vlies abdecken kann.

Frost ist kritisch für geschwächte Bienen
Kritisch könnten die Temperaturen auch für geschwächte Bienenvölker sein, sagte Thomas Renner vom Landesverein für Imkerei und Bienenzucht. Sollte ein Volk gefährdet sein, müsse der Imker mit einem Zuckerteig zufüttern. In Salzburg würde aber die Trockenheit den Bienen mehr zu schaffen machen als die Kälte, sagte Renner, weil es wegen der Trockenheit einen geringeren Nektarfluss gebe.

In Oberösterreich sei das Schadenspotenzial gering, hieß es aus der Landwirtschaftskammer. Im Ackerbau seien die bereits gesäten Zuckerrüben betroffen, allerdings zeige sich erst in den kommenden Tagen, in welchem Ausmaß. „Wir reden hier von vielleicht zehn Prozent der insgesamt 7500 Hektar“, sagte Martin Beck von der Abteilung Ackerbau. Im Obstbau liege die Temperatur von minus 3 Grad „an der Grenze zur Schädigung“, so Heimo Strebl. Derzeit gebe es keine nachweisbaren Schädigungen, ob das tatsächlich so sei, zeige sich noch, vor allem beim empfindlichen Steinobst wie den Marillen.

Erdbeerkulturen wurden abgedeckt
Auch in Vorarlberg kam es kaum zu Frostschäden. Die Temperaturen lagen in den vergangenen Nächten zwischen -1 und -4 Grad, die Nacht auf Montag sei entgegen der Prognosen auch noch bewölkt gewesen, „das hat sehr geholfen“, so Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer. Eventuell in Mitleidenschaft gezogen wurden frühe Zwetschken, vereinzelt auch Kirschen und Birnen. Bei den später blühenden Arten und Sorten gehe er im Moment nicht von großen Schäden aus, so Höfert. „Marille haben wir glücklicherweise keine im Anbau. Erdbeeren waren nur im geschützten Anbau in Blüte. Die Bauern haben die Kulturen abgedeckt. Das sollte gut gegangen sein“, sagte der Fachmann.

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