Großstadt Rheintal

Wo stehen wir in Sachen Urbanisierung?

Vorarlberg
21.03.2022 11:45

Dass die Region vom Walgau bis zum Bodensee immer städtischer wird, ist Fakt und eine Entwicklung, die sich in vielen Teilen in ganz Europa ähnlich abzeichnet. Vorarlbergs urbaner Weg läuft allerdings aus verschiedenen Gründen nicht nach Plan. Das habe einerseits mit dem Dorfdenken zu tun, an dem die Vorarlberger seit jeher festhalten, und andererseits mit dem politischen Willen im Ländle.

Die Industriellenvereinigung Vorarlberg spricht vom „urbanen Weg“, zeichnet ein „Big Picture“ und teilt Vorarlberg in Stadt und Land. Letzteres bilden die Talschaften, die vom Ballungsraum Rheintal/Walgau abgehen. Im großen Zukunftsbild der IV stimmen somit die „Stadtgrenzen“ nicht mit jener Region überein, die nach Angaben der EU überwiegend städtisch ist - nämlich die Rheintal-Bodenseeregion. Doch lassen wir die Kirche im Dorf: Grenzen können ohnehin nicht millimetergenau gezogen werden und verschieben sich zudem im Laufe der Zeit. Die wichtigere Frage ist deshalb: Wo stehen wir heute?

Vorarlberger halten an Dorfdenken fest
Dass die Region vom Walgau bis zum Bodensee immer städtischer wird, ist nicht nur Fakt, sondern eine Entwicklung, die laut Markus Berchtold, Experte im Bereich Raumplanung, in ganz Europa passiert. Allein: „Da Vorarlberg seit Jahrzehnten wirtschaftlich sehr erfolgreich ist, ziehen Menschen hierher und benötigen Wohnraum. Darüber hinaus haben wir das große Problem, dass sich die Mehrheit der Grundstücke in Privatbesitz befindet und es daher kaum öffentliche Grün- und Parkflächen gibt.“ Das habe unter anderem mit dem Dorfdenken zu tun, an dem die Vorarlberger seit jeher festhalten. Was in den Talschaften durchaus gelebt werden kann, ist indes von Bludenz bis Bregenz schlichtweg unmöglich. Denn das Rheintal ist eine urbane Region, wenngleich es in den Köpfen noch nicht angekommen ist. Und das obwohl bereits Anfang des 21. Jahrhunderts die Vision formuliert wurde, das Rheintal zur drittgrößten Stadt Österreichs zu machen.

Apropos: Als Nachfolge der Vision Rheintal, die bekanntlich 2017 abgeschlossen wurde, erarbeitete man im Land das „Modell der Kooperationsräume“ mit dem Ziel, die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit insbesondere auf dem Gebiet der Raumplanung zu organisieren. Weiters gibt es das „Raumbild Vorarlberg 2030“, das als strategisches Leitbild dienen und zugleich einen bindenden Handlungsrahmen vorgeben soll. Und mit dem Prozess „LandStadt Vorarlberg“ will man dazu beitragen, dass die Menschen den Lebensraum Vorarlberg und seine Potenziale im Hinblick auf das Nebeneinander von Urbanität und ländlichem Raum entdecken und verstehen lernen. Man muss wohl nicht erst Experten wie Markus Berchtold fragen, um zu wissen: Die Vorarlberger sind noch nicht wirklich davon überzeugt.

„Das Problem ist, dass die Entwicklung des Rheintals aufgrund von Fehlplanungen in den 1970er bis 1980er Jahren heute im Prinzip unsteuerbar ist. Diese Planungen haben so viele Bauflächen vorgesehen, dass diese nun nicht mehr genutzt werden. Oder sagen wir so: Es müssten zigtausend Menschen im Rheintal angesiedelt oder mit starkem politische Willen die Rahmenbedingungen grundsätzlich verändert werden“, meint Berchtold, der als ehemaliger vai-Geschäftsführer federführend an der Entwicklung der Vision Rheintal mitgewirkt hat. An Ideen jedenfalls mangle es nicht: „So bräuchte es etwa eine Verpflichtung, bestehende Bauflächen zu bebauen oder als Freiflächen zu widmen.

Es bräuchte außerdem breit angelegte Sanierungsgebiete mit der Auslotung von Nachverdichtungen und der Schaffung von Freiräumen. Die Zersiedelung der Gemeindeflächen sollte gestoppt und die Verdichtung nach innen stärker forciert werden. Auch der Hortung von Bauplätzen gehört ein Riegel vorgeschoben. Vor allem aber müssen Bürger und Eigentümer in den kulturellen Wandel eingebunden werden", nennt Berchtold nur einige Beispiele.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen
Die Verantwortung auf die Gemeinden abzuwälzen, sei nicht korrekt. Schließlich liege die Kompetenz der Gesetzgebung beim Land, das zudem Aufsichtsbehörde der Kommunen ist: „Die Bürgermeister wissen schon, was in ihren Dörfern läuft“, so Berchtold. „Wenn allerdings die Rahmenbedingungen vonseiten des Landes nicht stimmen, tut sich das niemand an.“ Bleibt also die Frage: Wohin des urbanen Weges?

Christian Mähr
Christian Mähr
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