Mo, 20. August 2018

Kampf ums Überleben

21.04.2011 10:33

Austria Klagenfurt: Die Stadt fühlt sich erpresst

Bei der Austria Klagenfurt geht es drunter und drüber. Nur zehn Monate nach seiner Gründung steht der Verein vor dem Aus. Rund 300.000 Euro fehlen allein zur Ausfinanzierung der laufenden Saison - wie auch die Spieler am Dienstag bei einer Aussprache mit Vizepräsident Hans Slocker (siehe Bilder oben) erfuhren. Die Stadt Klagenfurt, die in dieser Saison bereits 700.000 Euro in den Klub pumpte, will keinen Cent mehr geben und ist "zutiefst" enttäuscht. Präsident Josef Loibnegger will jetzt noch retten, was zu retten ist. Ein Bericht von "Krone"-Sportchef Conny Lenz.

Was war da noch vor der Jahresfrist für ein Zank und Hader über die Unzulänglichkeiten eines Mario Canori, über den viel zu spät erfolgten Schulterschluss mit der Politik – solange, bis die Austria Kärnten Geschichte und die Bundesliga-Lizenz futsch war. Nicht einmal zwölf Monate danach hängt die Existenz der im letzten Sommer im Eilzugsverfahren aus der Taufe gehobenen Austria Klagenfurt am seidenen Faden.

Auch wenn es keiner je zugeben wird: Die Stadt Klagenfurt unterstützte den Verein nicht, weil man von der Beschwörung der violett-weißen Tradition besonders begeistert, von den handelnden Personen besonders überzeugt war, sondern nur, weil man es als den billigsten Weg betrachtete – billiger als die Finanzierung des Zwangsausgleichs des Bundesligaklubs Austria Kärnten.

Vizebürgermeister ist "zutiefst enttäuscht"
Mittlerweile hat die nächste "Kindesweglegung" stattgefunden. In einer Pressekonferenz zeigte sich Vizebürgermeister Albert Gunzer am Dienstag von Klubchef Josef Loibnegger "zutiefst enttäuscht und im Vertrauen schwer erschüttert". Und auch unter Druck gesetzt, da Loibnegger letzte Woche binnen 24 Stunden jene längst zugesagten 80.000 Euro einforderte, da er ansonsten umgehend Konkurs anmelden müsste. "Das ist keine Sprachregelung, wie man sie mit der Stadt pflegt, die stets ein verlässlicher Partner war", betonte Gunzer und bekäftigte neuerlich, dass unter einem Präsidenten Loibnegger kein Cent mehr für die Austria fließt.

Zweifelhafte Verträge wieder abgeändert
Während das Scherbengericht also tagte, der (zurückgetretene) Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Reichhold betonen durfte, dass der Aufsichtsrat ohnehin schnell und unverzüglich gehandelt hätte, war Loibnegger bemüht, die einzelnen "Baustellen" zu sanieren. Der sehr zweifelhaft anmutende Vertrag mit Logo-Schaffer Johann Brandstätter (der für den Fall, dass Loibnegger aus der Führung ausscheidet, 120.000 Euro kassieren kann), wurde dahingehend abgeändert, dass Tantiemen erst im Falle eines Bundesliga-Aufstiegs fließen. Auch die Zwei-Jahres-Verträge mit dem beurlaubten Ex-Sportdirektor Helmut König und Trainer Walter Schoppitsch werden – so es bei der Mitgliederversammlung am 2. Mai zu einer geordneten Übergabe ohne Insolvenz kommt – einvernehmlich per 30. April bzw. 30. Juni gelöst.

Geplante Einnahmen blieben aus
Dazu hat Loibnegger ("Ich weiß: Die Politik will einen Unbequemen entsorgen") ein Schreiben von Ex-Vorstand Matschek in Händen, in dem dieser klarlegt, dass man sich ausgabenseitig im Budget bewegt, in punkto Einnahmen aber hinten nach ist. Für Loibnegger ist klar: Das sind jene 150.000 Euro, die man aus der Vermarktung des Stadionnamens requirieren wollte, plus die offenen 80.000 Euro der Stadt sowie restliche Einnahmen. "Damit wäre die Saison ausfinanziert."

von Konrad Lenz, Kärntner Krone

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