30.11.2021 22:39 |

Kaum Maßnahmen

Schweden meldet niedrigste Inzidenz der EU-Länder

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird Schwedens Sonderweg in der Krise mit Spannung beobachtet. Kaum verpflichtende Maßnahmen, große Eigenverantwortung für die Einwohner - lange schien der vergleichsweise lasche Umgang mit dem Virus ein Fehler. Während nun aber die Infektionszahlen in ganz Europa stark ansteigen, bleibt die schwedische Kurve relativ flach.

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Die Delta-Variante des Coronavirus lässt aktuell die Sieben-Tage-Inzidenzen der Länder wieder deutlich ansteigen. Während sich Österreich mit knapp 1500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern bereits wieder im lange ausgeschlossenen Lockdown befindet, hält Schweden bei einer Inzidenz von „nur“ 142 Fällen - mit einer Impfquote von rund 83 Prozent.

Damit ist man unerwartet der Spitzenreiter in den EU-Ländern: Selbst „Impfweltmeister“ Portugal hat mittlerweile wieder eine Inzidenz von 286 und auch Spanien wies 153 Fälle pro 100.000 Einwohner auf.

Lage „überraschend stabil“
Doch warum ist Schweden aktuell weniger von der Winterwelle betroffen? Hat das Land mit seiner freizügigen Politik bereits eine gute Durchseuchungsrate, ergo Herdenimmunität erreicht? Konkrete Antworten auf die Entwicklung sind derzeit schwer zu finden. Selbst der Chef-Epidemiologe Anders Tegnell bezeichnete die Lage als „überraschend stabil“.

Dennoch blickt er nicht sonderlich optimistisch in die Zukunft - er geht davon aus, dass die Welle, wie schon zuvor, einfach mit Verzögerung eintreffen wird. Man sei jetzt fünf bis sechs Wochen im Rückstand, zitiert ihn die finnische Zeitung „Iltalehti“. 

Herdenimmunität ausgeschlossen
Eine Erklärung für die Unterschiede zu den anderen Ländern hat Tegnell aber doch: Schweden hat im Vergleich zu Zentraleuropa eine geringere Bevölkerungsdichte - mit knapp 25 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Schweden laut Eurostat das am zweitdünnsten besiedelte EU-Land. Lediglich Nachbar Finnland zählt mit 18,2 Menschen noch weniger Einwohner pro Quadratkilometer.

Zudem herrsche eine „andere Mentalität“, so Tegnell. Dass Schweden durch die fatalen Infektionswellen der Vergangenheit bereits eine Grundimmunität habe, schließt der Krisenmanager laut SWR jedoch aus.

Stockholm mit höherer Inzidenz als Wien
Eine weitere Erklärung dürfte aber auch in einer durchaus umstrittenen Entscheidung der Regierung zu finden sein. So mussten sich Geimpfte vom 1. bis 22. November selbst bei Symptomen auf eine Infektion nicht mehr testen lassen, sondern sollten lediglich zu Hause bleiben. Die fragwürdige Regelung wurde aber mittlerweile wieder zurückgenommen.

Auch ein genauerer Blick auf die Infektionszahlen trübt das rosige Bild. Betrachtet man die Ballungsräume, zeigen sich hier deutlich höhere Inzidenzen. Die Stadt Stockholm etwa vermeldete am Montag eine Inzidenz von 493 Fällen - mehr als aktuell in Wien nachgewiesen wurden (480 Fälle).

Tegnell hofft auf hohe Impfquote
„Wir hatten ja während der gesamten Pandemie ein relativ konstantes Niveau an sozialen Kontakten. Das Ende der Restriktionen war für die Menschen deshalb keine dramatische Veränderung. Wenn man aber eine Gesellschaft aus dem Lockdown heraus plötzlich öffnet, sieht man natürlich einen größeren Unterschied bei den Infektionszahlen“, erklärte Tegnell im SWR.

Dennoch hofft der Epidemiologe auf einen zunehmenden Erfolg der Impfkamapgne. Sollte die Impfquote tatsächlich weiter ansteigen, „hoffe ich nicht und glaube auch nicht, dass wir eine dramatische vierte Welle erleben werden“. Mit Blick auf die nun auch in Schweden nachgewiesene, wahrscheinlich ansteckendere Omikron-Variante des Virus wäre das durchaus wünschenswert.

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