26.11.2021 13:24 |

Vor Wiederzulassung?

Studien über Glyphosat sind „nicht zuverlässig“

Rund um die Wiederzulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der EU haben Umwelt-NGOs die vorgelegten Studien des Herstellers Bayer als fehlerhaft kritisiert. Eine unabhängige Überprüfung durch zwei Wiener Krebsforscher zeigte demnach, dass 18 von 35 Studien, die sich mit DNA-schädigenden Effekten (Gentoxizität) beschäftigen, „nicht zuverlässig“ seien. 15 weitere wurden als „teilweise zuverlässig“ und nur zwei als „zuverlässig“ beurteilt.

„Das heißt: Die Hersteller von Glyphosat haben den EU-Behörden fehlerhafte Studien zur Gentoxizität vorgelegt, welche die Unbedenklichkeit von Glyphosat nicht belegen können“, kritisierte Global 2000 in einer Aussendung. Dennoch hätte die Assessment Group On Glyphosate (AGG) grünes Licht für Glyphosat gegeben: Glyphosat sei nicht DNA-schädigend (gentoxisch). Die EU-Zulassung für Glyphosat, das meistverkaufte Pestizid der Welt, läuft im Dezember 2022 aus.

Testsysteme teils 30 Jahre alt
Der Hauptautor der neuen Studie, Siegfried Knasmüller, erläuterte die Erkenntnisse folgend: „Die entscheidenden Fragestellungen wurden nicht angesprochen. Keine der von der Industrie vorgelegten Studien untersuchte DNA-Schäden in der Leber, während veröffentlichte Studien mit angemessenen Methoden darauf hinweisen, dass Glyphosat in diesem Organ DNA-Schäden verursacht. Alle in den Industriestudien verwendeten Testsysteme sind zudem mehr als 30 Jahre alt und teils sehr unempfindlich. So weist beispielsweise das am häufigsten verwendete in-vivo-Modell nur fünf bis sechs von zehn Karzinogenen tatsächlich nach, wie die meisten Validierungsstudien zeigen.“

Das europäische System habe es bisher versäumt, Fehler bei der Durchführung der Zulassungsstudien aufzudecken. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO kam bereits 2015 zum Schluss, dass es „starke Beweise“ dafür gibt, dass Glyphosat DNA-schädigend wirkt und „wahrscheinlich beim Menschen krebserregend“ ist.

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