07.11.2021 15:25 |

Schwammerln

Pilze sind eine Klasse für sich

Lange Zeit wurden Pilze zum Pflanzenreich gezählt. Doch sie weisen auch Eigenschaften auf, die sie näher ans Tierreich gliedern. In Vorarlberg gibt es rund 3000 verschiedene Großpilzarten.

Sie gehören weder ins Tier- noch ins Pflanzenreich: Pilze bilden eine eigene biologische Klassifikation (Fungi). Mittlerweile gehen Biologen sogar davon aus, dass sie den Tieren ähnlicher sind als den Pflanzen. Das überrascht erst einmal. Wer einen Spaziergang durch den Wald macht, nimmt Pilze wohl als Teil der Vegetation wahr - gleich wie Bäume, Sträucher und Gräser. Wie Pflanzen wachsen diese aus dem Boden und sind großteils an ihren Standort gebunden. Eine Ausnahme bildet die Gelbe Lohblüte auch Hexenbutter genannt, dabei handelt es sich um eine Art von Schleimpilz, die sich kriechend fortbewegt. Im Unterschied zu anderen Vertretern aus dem Bereich der Flora haben Pilze nichts Grünes - keine Blätter, keine Nadeln.

Dies ist nicht bloß eine unbedeutende Äußerlichkeit, wie Klaus Zimmermann, Biologe und Fachberater der inatura Dornbirn, erläutert: „Pilze verfügen über einen völlig anderen Stoffwechsel als Pflanzen, welche mithilfe von Chlorophyll in ihren Blättern Sonnenlicht in Energie umwandeln.“ Pilze können das nicht. Sie ernähren sich indem sie fremde Biomasse abbauen also „fressen“ und verstoffwechseln, genau wie Tiere. „Ein entscheidender Unterschied zu Tieren ist jedoch der Zellaufbau“, betont Zimmermann. Deshalb bilden Pilze in der Biologie ein eigene Gruppe. Lange Zeit zählte man sie zu den Pflanzen, eine Abtrennung wurde mit fortschreitendem Erkenntnisstand erst 1969 vorgeschlagen.

Fakten

Die Gelbe Lohblüte, oft auch Hexenbutter genannt, gehört zu den sogenannten Schleimpilzen. Dabei handelt es sich um Lebewesen, die Eigenschaften von Tieren und Pilzen vereinen, aber weder zur einen noch zur anderen Gruppe gezählt werden. Die Gelbe Lohblüte ist weltweit verbreitet und meist von auffälliger gelber Farbe. Sie besiedelt verrottendes Material, Totholz oder Waldboden. Die Hexenbutter bildet schleimige, kissenförmige, unregelmäßige Polster. Schleimpilze sind nackte, amöboid bewegliche Einzelzellen, welche sich zu Plasmamasse - dem Plasmodium - zusammenschließen. Während ihres Wachstums bewegen sich die Plasmoden mithilfe von winzigen veränderlichen Zellfortsätzen, welche nach Bedarf ausgestülpt oder eingezogen werden können, fort. Dieses Kriechstadium endet schließlich mit der Fruchtkörperbildung.

Lebensraum Wald
Einer der wichtigsten Lebensräume für Pilze ist der Wald für dessen Ökosystem sie wiederum eine zentrale Rolle spielen. Sie zersetzen (abgestorbenes) organisches Material wie Holz, Laub oder Nadelstreu und halten dadurch den Nährstoffkreislauf in Schwung. „Einige gehen auch Symbiosen mit bestimmten Baumarten ein. Sie verbessern die Versorgung mit Nährstoffen und filtern gewisse Schadstoffe aus, was die Baumwurzeln vor Krankheitserregern schützt“, erläutert der Biologe.

Fakten

Der Fliegenpilz ist ein Giftpilz der aufgrund seines charakteristischen roten Huts mit weißen Tupfen praktisch nicht mit anderen Pilzen zu verwechseln ist. Die Fruchtkörper erscheinen in Mitteleuropa von Juni bis zu Beginn des Winters in Nadel- und Mischwäldern. Der Hauptwirkstoff des Fliegenpilzes ist die Ibotensäure, es sind aber noch weitere, bis dato nicht erforschte Pilzgifte enthalten. Der Fliegenpilz zählt mittlerweile zu einem der beliebtesten Glückssymbole. Dies hat wahrscheinlich mit seinem einprägsamen Farbmuster zu tun. Seine Popularität dürfte auch mit dem Aufkommen des Wortes „Glückspilz“ in Verbindung stehen. In den 1950er Jahren baute die Firma Waldner insgesamt 50 Kioske in Fliegenpilzform, die hauptsächlich zum Verkauf von Milchprodukten dienten. Heute gibt es nur noch wenige Exemplare - eines davon steht an der Seestraße in Bregenz.

Dafür beziehen die Pilze vom Baum Zuckerbausteine, die sie mangels Photosynthese nicht selbst herstellen können. Bei Untersuchungen zum Thema Waldsterben fanden Forscher heraus, dass nicht nur Bäume durch Umweltverschmutzung geschädigt waren, sondern auch die mit ihnen in Symbiose lebenden Pilze. Dies ist wiederum Hinweis darauf, wie komplex und vielschichtig das Ökosystem Wald ist.

Vieles was Pilze betrifft bleibt dem menschlichen Auge verborgen. „Was wir als Pilz bezeichnen ist eigentlich nur der Fruchtkörper, sprich die Geschlechtsorgane. Das Mycel, der eigentliche Pilz, wächst im Boden oder im Holz“, hebt Zimmermann hervor. Bei der Ausbildung der Fruchtkörper zeigen sich Pilze äußerst kreativ: Manche sehen aus wie kleine Gehirne, andere erinnern an Korallen oder Tintenfische. Ob kugelig, sternförmig oder mit „Hut“ - fast alle Formen sind in der Natur anzutreffen. Diese Vielfalt hat vor allem mit der Art der Sporenverbreitung zu tun, auf die sich die jeweilige Art spezialisiert hat. Manche Pilze locken mit Aasgeruch Insekten an, die in weiterer Folge als Transportmittel genutzt werden, andere geben ihre Sporen bei Trittbelastung frei.

In manchen Fällen dient der abgestorbene und sich auflösende Fruchtkörper gleich als Nährstoffgrundlage für die neue Generation. Große VielfaltIn Vorarlberg gibt es rund 3000 verschiedene Großpilze, etwa 300 sind essbar. Sie mögen schmackhaft sein, sind aber keine „leichte“ Kost. „Viele auch bekannte Speisepilze können Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen oder gar zu Allergien führen“, weiß der inatura-Experte. Denn Pilze enthalten Chitin und andere, nicht verwertbare Kohlenhydrate.

Der menschliche Körper benötigt bis zu fünf Stunden, um eine Pilz-Mahlzeit zu verdauen. Menschen mit empfindlichem Magen wird empfohlen, eher kleinere Portionen zu genießen. Wer Pilze sammelt, sollte darauf achten, die Lieblingsplätze nicht komplett abzuernten. Nur wenn einige Exemplare stehen bleiben, können der Fortbestand und die genetische Vielfalt gesichert werden. Was den Pilzen aber weitaus mehr zu schaffen macht als die Sammelleidenschaft mancher Gourmets seien grobe Eingriffe in das Ökosystem Wald, meint Zimmermann. R. Bergauer

In Vorarlberg wachsen rund 3000 Pilze, circa 300 sind essbar, etwa 50 werden genutzt. Doch auch wenn diese schmackhaft sind, sind sie keine leichte Kost. Der Tintenfischpilz hat einen aasartigen Geruch und ist ungenießbar.Der Schopftintling ist essbar und hat einen angenehm pilzig bis neutralen Geruch.Die gelbe Koralle schmeckt pilzartig würzig, wächst gerne bei Buchen und Fichten.Der Erdstern ist ungenießbar und ist im Mischwald bis in den Spätherbst zu finden.Klaus Zimmermann, Biologe und Fachberater der inatura Dornbirn, kennt sich gut mit Pilzen aus.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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