„Lage ist im Griff“

7500 Helden stoppten das Inferno im Rax-Gebiet!

Die Einsatzkräfte im niederösterreichischen Hirschwang konnten das offene Feuer bereits ablöschen - Dutzende Glutnester sind aber noch aktiv. Die Schlinge für die noch unbekannten Täter zieht sich indes enger.

Etwa 500 Hektar Wald brennen im Schnitt jährlich in Österreich. Genaue Aufzeichnungen aus früheren Zeiten fehlen zwar, doch der bis dato größte Waldbrand soll im Jahr 1705 im Tiroler Inntal auf bis zu 3000 Hektar gewütet haben. Doch auch das Inferno im Rax-Schneeberg-Gebiet bei Hirschwang in Niederösterreich mit 115 Hektar zerstörtem Waldgebiet ließ den mehr als 7500 angerückten Einsatzkräften aus ganz Österreich und den EU-Nachbarstaaten nur wenig Verschnaufpausen.

Seit der ersten Alarmierung mit Brandverdacht am 25. Oktober um 11.28 Uhr stehen Einheiten von Feuerwehr, Bergrettung, Polizei und Bundesheer vor Ort im Dienst, um das Flammeninferno einzudämmen und Schlimmeres zu verhindern. In weniger als zehn Stunden hatten sich ja die Flammen, wie berichtet, von lediglich fünf auf mehr als 100 Hektar Forst im Besitz der Stadt Wien ausgebreitet – und in weniger als 24 Stunden brannte fast der gesamte Hang (siehe Grafik).

Finale Löscharbeiten leiten jetzt den großen Abzug ein
Seit Donnerstag gibt es zum ersten Mal keine offene Brandstelle mehr im gesamten Einsatzgebiet: „Wir konnten das Inferno stoppen. Zwar haben wir noch Dutzende Glutnester und starken Wind, aber die Lage ist im Griff“, so Einsatzleiter Josef Huber.

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Wir konnten das Inferno stoppen. Zwar haben wir noch Dutzende Glutnester und starken Wind, aber die Lage ist im Griff.

Einsatzleiter Josef Huber

Bereits am Samstag soll der Großteil der Gerätschaft abgebaut werden. Ein Ende des Einsatzes bedeute das aber nicht, klärt NÖ-Feuerwehrchef Dietmar Fahrafellner auf: „Luft- und Bodeneinheiten sind nach wie vor mit Lokalisierung und Ablöschung der Glutnester beauftragt. Eine Brandwache bleibt stationiert, und sollte das Feuer wieder ausbrechen, stehen mehrere Einheiten und Löschhubschrauber bereit“, so Fahrafellner.

„Sie alle sind Helden von Hirschwang“
Indes ist sich die Politik auf Landes- und Bundesebene jedenfalls sicher, die Leistung der Einsatzkräfte war herausragend: „7500 Einsatzkräfte standen bisher im Kampf gegen die Flammen am Berg. Sie alle sind die Helden von Hirschwang“, so Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Innenminister Karl Nehammer ergänzt: „Die Bekämpfung des Waldbrandes hat die große Solidarität in Europa unter Beweis gestellt. Ich bedanke mich auch bei unseren ausländischen Partnern.“

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Italien, Deutschland und die Slowakei haben rasch geholfen. Rumänien, Griechenland sowie Tschechien hätten Hilfe angeboten.

Innenminister Karl Nehammer

Während die Flammen unter Kontrolle sind, zieht sich die Schlinge für die Brandstifter enger. Laut „Krone“-Informationen soll es konkrete Hinweise zu den Verdächtigen geben. Die Ermittler zeigen sich zuversichtlich, den Hergang des Unglücks vollständig aufklären zu können.

„Da muss endlich ein Umdenken passieren“
Die „Krone“ traf den gebürtigen Tiroler Klaus Heidegger, dessen Ranch in Kalifornien im Jahr 2019 von den großen Waldbränden verwüstet wurden und sprach mit ihm über die aktuelle Situation in Niederösterreich und die Vorteile von Permakultur.

Verkohlte Avocadobäume und vom Schlamm weggespülte Zufahrten: Bei unserem Besuch auf der US-Ranch von Klaus Heidegger 2019 bot sich uns ein Bild der Verwüstung. Die Brände in Kalifornien hatten auch seiner Ranch schwer zugesetzt. Doch während Nachbarn alles verloren hatten, hatte das Permakultur-Konzept nach Sepp Holzer auf Heideggers Grundstück das Schlimmste verhindert.

„Seither haben wir viel umgebaut, unterirdische Leitungen vergrößert und einen neuen Wassertank installiert. Es grünt und blüht heute wie nie zuvor“, erzählt der 64-Jährige, als wir ihn zum Interview treffen. Die Premiere des Franz-Klammer-Films „Chasing the Line“ hat den Ex-Skistar, der in die USA auswanderte und dort mit dem Ausbau der Kosmetikmarke Kiehl’s zum Multi-Millionär wurde, in die alte Heimat gebracht.

Fakten

  • Bei der Permakultur werden dezentral Retentionsbecken entsprechend der Topografie des Geländes in Form von Teichen und Tümpeln angelegt. Das Wasser versickert so nicht seitlich in Schluchten, sondern sammelt sich im Boden.
  • Anstatt unten Betonwände und Dämme zu bauen, wird das Wasser also von oben beginnend reguliert.
  • So wird der Boden mit Wasser angereichert, es entstehen üppige Vegetation (am besten Mischkultur) und Beschattung. Damit wird im Falle eines Brandes ein derart rasches Übergreifen der Flammen verhindert.

Dass ihn hier ein bereits tagelang lodernder Waldbrand erwarten würde, wie er in Kalifornien quasi an der Tagesordnung steht, überrascht den Tiroler „Bergbauernbub“: „In Kalifornien darf der Waldboden nicht von Gestrüpp usw. gesäubert werden. In Österreich arbeitet die Forstindustrie so gut, dennoch passiert so ein Unglück. Da muss endlich ein Umdenken passieren.“

„Die Permakultur hat mein Grundstück gerettet“
Heidegger sieht hier die Politik gefordert: „Die Bauern sind stark subventioniert, aber wenn ich einen mit zwanzig Kühen und drei Traktoren sehe, frage ich mich, wo ist da der Umweltschutz? Die Permakultur hat mein Grundstück gerettet. Am Anfang ist es etwas Arbeit, aber die Qualität der Früchte ist so viel besser. Würde man die Bauern umschulen und das fördern, würden Landwirtschaft und Natur profitieren. Die Pflege ist um ein Vielfaches weniger Aufwand. So viel wird in Europa von Umwelt gesprochen, dort müsste man ansetzen.“ 

Von
Josef Poyer
Melanie Leitner
Melanie Leitner
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