19.10.2021 06:45 |

Nach Chaos-Abzug

US-Sonderbeauftragter für Afghanistan tritt zurück

Nach dem chaotischen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan tritt der US-Sonderbeauftragte für das Land, Zalmay Khalilzad, von seinem Posten zurück. US-Außenminister Antony Blinken teilte am Montagabend (Ortszeit) mit, Khalilzads bisheriger Stellvertreter Thomas West werde ihm im Amt nachfolgen. „Ich danke Botschafter Khalilzad für seinen Dienst und heiße den Sonderbeauftragten West in dieser Funktion willkommen.“

Nach der Ankündigung des US-Abzugs aus Afghanistan durch US-Präsident Joe Biden hatten die Taliban Mitte August wieder die Macht übernommen - rund zwei Wochen vor dem geplanten Ende des US-Einsatzes.

Khalilzad war bereits unter dem republikanischen US-Präsidenten Donald Trump Sonderbeauftragter für Afghanistan. Er war maßgeblich daran beteiligt, ein im Februar vergangenen Jahres in Doha unterzeichnetes Abkommen zwischen der Trump-Regierung und den Taliban auszuhandeln - die afghanische Regierung wurde von den Verhandlungen ausgeschlossen.

Keine Bedingungen für die Taliban
Das Abkommen sah einen vollständigen Abzug der US-Truppen bereits Ende Mai dieses Jahres vor und bereitete der erneuten Machtübernahme der Taliban nach Ansicht von Experten den Weg. Der Demokrat Biden kündigte im April ein Ende des Einsatzes für Ende August an, knüpfte daran aber keine Bedingungen für die Taliban. Der Vormarsch der militanten Islamisten gewann daraufhin an Geschwindigkeit.

Nach der Machtübernahme der Taliban in Kabul kam es zu chaotischen Evakuierungen am Flughafen der Hauptstadt. Kurz vor dem Ende der US-Evakuierungsmission wurden bei einem Anschlag am Flughafen 13 US-Soldaten und Dutzende Afghanen getötet.

US-Regierung unter Druck
Bidens Regierung ist wegen des Debakels in Afghanistan unter massiven Druck geraten. Der Präsident argumentierte, er habe vor der Wahl gestanden, die Truppen abzuziehen oder den Krieg gegen die Taliban zu eskalieren. Experten hatten allerdings mehrere Wege aufgezeigt, die zwischen diesen beiden Extremen gelegen hätten. Für Unmut in europäischen Regierungen sorgte, dass Biden den Abzug der US-Truppen und damit das Ende des internationalen Einsatzes eigenmächtig und trotz der gewaltigen Bedenken von Verbündeten beschloss.

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