Am Oberlandesgericht

109 Buben missbraucht: Arzt will mildere Strafe

13 Jahre Haft und Einlieferung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher lautete im Juni 2020 das Urteil für einen Urologen (58) aus dem Salzkammergut. Er hat, laut Spruch des Landesgerichtes Wels, 109 Buben missbraucht. Die Strafe ist dem Mediziner zu hoch. Am Montag entscheidet das Oberlandesgericht Linz.

„Wenn der Doktor sagt, es müsse sein, dann muss es sein, und es wird schon richtig sein.“ Mit diesem Zitat eines Opfers zeigte Staatsanwalt Manfred Holzinger im Welser Prozess auf, wie ausgeliefert die Knaben in der Ordination des Urologen waren. Beim Mediziner, der sich inzwischen aus der Ärzteliste streichen lassen hat, erkannte Holzinger einen Tatplan. 109 Buben wurden im Prozess als Opfer geführt.

Übergriffe bei Untersuchungen
Die sexuellen Übergriffe erfolgten bei Untersuchungen mit Methoden, die, so ein Sachverständiger, nicht indiziert waren oder bei Anleitungen zur Masturbation. Denn der Angeklagte verstand sich nicht nur als Arzt, sondern auch als eine Art Sexualcoach. Die Opfer, 40 von ihnen waren noch nicht einmal 14 Jahre alt, trauten sich nicht zu widersprechen. Drei Buben leiden noch immer an den Folgen des Missbrauchs.

Der Schuldspruch ist bereits rechtskräftig
Zu 90 Prozent der Anklagepunkte war der Mann geständig. Er bestritt jedoch den schweren Missbrauch und die Pädophilie, die schließlich auch zur Anstaltseinweisung geführt hatte. Der Urologe hat deshalb auch den Schuldspruch bekämpft, doch der Oberste Gerichtshof hat seine Nichtigkeitsbeschwerde bereits zurückgewiesen. Der Senat des Oberlandesgerichtes muss daher am Montag nur mehr über die Höhe der Strafe und die Einlieferung in eine Anstalt entscheiden.

Claudia Tröster
Claudia Tröster
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Sonntag, 24. Oktober 2021
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