05.10.2021 19:53 |

Fleisch weggeworfen

Briten fehlen Schlachter: 600 Schweine gekeult

Der Mangel an Lkw-Fahrern hatte zu einer mittelgroßen Sprit-Krise in Großbritannien geführt - nun fehlt es im Vereinigten Königreich nach dem Brexit an Schlachtern. Die Folgen sind übervolle Schweineställe, die ersten Bauern mussten bereits Hunderte Tiere keulen. Etwa 600 gesunde Tiere, die man nicht habe zum Schlachthof bringen können, seien getötet worden, teilte der Schweinebauernverband National Pig Association am Dienstag mit. Das Fleisch der gesunden Schweine landet nicht in der Lebensmittelkette, sondern muss entsorgt werden.

Noch gebe es keine Massenkeulungen, aber die ersten Maßnahmen würden zeige, welche Folgen die Krise habe, so die Schweinebauern. Der Verband hatte zudem gewarnt, dass bis zu 120.000 Schweine gekeult werden müssten, falls nicht bald mehr Personal eingestellt werde.

Grundloses Töten für Bauern belastend
Für viele Bauern sei es äußerst belastend, die Schweine grundlos zu töten, sagte der Sprecher. Viele holten sich Hilfe von außerhalb. Die Tiere müssen entweder noch am Hof erschossen werden oder in einem örtlichen Schlachthof getötet werden. Aufgrund der geltenden Bestimmungen darf ihr Fleisch allerdings nicht verarbeitet werden, sondern landet in der Tierkörperverwertung: „Es ist unglaublich lächerlich, eine Verschwendung“, so Rob Mutimer, Chef des Schweinebauernverbandes, gegenüber dem „Guardian“.

Fachkräfte fehlen seit Brexit
In Großbritannien fehlen in vielen Branchen Fachkräfte, auch in der Fleischverarbeitung. Das liegt auch an den Folgen des Brexits, da viele Arbeiter vor allem aus Osteuropa während der Corona-Pandemie das Land verlassen haben, neue strenge Immigrationsregeln nun aber die Einreise für Arbeitssuchende erschweren. Schlachthöfe können wegen der fehlenden Spezialisten den Schweinebauern nicht mehr genug Tiere abnehmen - deshalb wird auf den Farmen der Platz knapp.

Die ersten Keulungen mussten die Bauern schon im September vornehmen, nachdem die britische Produktion von Kohlendioxid aufgrund der gestiegenen Energiepreise ins Stocken geraten war. Der Fachkräftemangel ist nun ein weiterer Tiefschlag für die Branche: „Die letzten Wochen sind immer schwieriger geworden“, sagte Mutimer.

Sondervisa für Arbeiter
Die Regierung will nun unter anderem 5000 Lastwagenfahrer und 5500 Spezialisten für die Geflügelverarbeitung aus dem Ausland mit Sondervisa ins Land holen. Das reicht aber nach Schätzungen der Wirtschaft bei Weitem nicht aus.

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